Tamiflu & Co.: Sinnvoll oder unbrauchbar?

, Uhr
Berlin -

In China wird derzeit mithilfe von Studien nach einem geeigneten Therapeutikum gegen das aktuelle Coronavirus gesucht. Unter anderem wurden probeweise antivirale Wirkstoffe wie Oseltamivir – bekannt aus Tamiflu (Roche) – eingesetzt. Die Ergebnisse wurden im Fachjournal „The Lancet“ veröffentlicht.

Studie des Wuhan Jin Yin-tan-Krankenhauses

Derzeit gibt es weder ein spezielles Medikament noch eine Impfung gegen das neuartige Coronavirus. Um dennoch ein geeignetes Therapeutikum zu finden, werden aktuell verschiedene Studien mit Erkrankten durchgeführt. Zwei aktuelle retrospektive Studien des Wuhan Jin Yin-tan-Krankenhauses umfassten 41 beziehungsweise 99 Patienten. Bei den 99 Patienten mit einer durch das Virus ausgelösten Lungenentzündung betrug das Durchschnittsalter 55,5 Jahre, rund 50 Prozent der Erkrankten litten bereits unter einer chronischen Vorerkrankung. Die Betroffenen zeigten vor allem Symptome wie Fieber, Husten und Atemnot. In einige Fällen kam es auch zu Muskelschmerzen, Verwirrtheit, Durchfall oder Übelkeit und Erbrechen. Bisher gibt es keine vollständig nachgewiesene und spezifische antivirale Behandlung für das Coronavirus. In den Leitlinien der chinesischen Nationalen Gesundheitskommission wird die Anwendung von einer Kombination von Lopinavir und Ritonavir vorgeschlagen – diese wird eigentlich gegen HIV eingesetzt. Zusätzlich soll vernebeltes Interferon-α inhaliert werden.

Antivirale Wirkstoffe als Chance?

Derzeit werden einige vorhandene antivirale Medikamente als potenzielles Heilmittel erforscht, beispielsweise in der chinesischen Studie mit 99 Personen: 75 Teilnehmer erhielten entweder eine antivirale Behandlung mit 75 mg Oseltamivir alle zwölf Stunden oral, 0,25 g Ganciclovir alle zwölf Stunden intravenös oder Lopinavir- und Ritonavir-Tabletten in der Stärke 500 mg zweimal täglich oral. Die Dauer der antiviralen Behandlung betrug 3 bis 14 Tage. Zusätzlich erhielten die meisten Patienten eine Antibiotikabehandlung. Dabei wurden 25 Prozent mit einem einzelnen Antibiotikum behandelt, 45 Prozent erhielten eine Kombinationstherapie. Die Dauer der Antibiotikabehandlung betrug 3 bis 17 Tage. 19 Prozent der Erkrankten wurden 3 bis 15 Tage lang mit Methylprednisolon-Natriumsuccinat, Methylprednisolon und Dexamethason behandelt.

Ende Januar waren 31 Prozent der Patienten entlassen worden, 11 Prozent waren verstorben. Die anderen befanden sich zum Zeitpunkt des 25. Januars der Studie zufolge noch im Krankenhaus. Die ersten beiden Todesfälle waren zwei Männer über 60 Jahre: Sie hatten zwar keine chronische Grunderkrankung, waren jedoch beide langjährige Raucher. Da keine weiteren Details veröffentlicht wurden, ist der wirksame Einsatz von antiviralen Wirkstoffen wie Oseltamivir bisher nicht belegt.

„Virologisch gesehen ist das Blödsinn“, sagte Friedemann Weber, Leiter des Instituts für Virologie an der Justus-Liebig-Universität in Gießen gegenüber der „Zeit“. Denn die Oberflächenstrukturen von Influenzaviren, an denen das Medikament andocke, würden sich so sehr von dem Sars-CoV-2 Virus unterscheiden, dass das Medikament nicht wirken dürfte.

Newsletter
Das Wichtigste des Tages direkt in Ihr Postfach. Kostenlos!

Hinweis zum Newsletter & Datenschutz

APOTHEKE ADHOC Debatte

Neuere Artikel zum Thema
Mehr zum Thema
Wie sinnvoll sind Händewaschen & Desinfizieren?
Aerosol-Studie: Sars-CoV-2 verliert rasch an Infektiosität »
Sensitivität und Nachweisdauer
PEI hat Antikörpertests getestet »
Mehr aus Ressort
Unterschiede zu anderen Virusvarianten
Omikron: Inkubationszeit & Symptome »
Weiteres
Potenzielle Basis für neue Antibiotika
Neue antibakterielle Molekülgruppe entdeckt»
Sensitivität und Nachweisdauer
PEI hat Antikörpertests getestet»
Suspension und Kapseln
Sildenafil in der Pädiatrie»
„Der Betriebsablauf darf nicht gestört werden“
Angestellte abwerben: Das ist nicht erlaubt»
Dosierung, bedenkliche Stoffe, Preis
Retaxgefahr Rezeptur»
Rechtliche und pharmazeutische Aspekte
Grauzone: Abgabe von mehreren OTC-Packungen»