Fortschritte in der Corona-Forschung

Kanadiern gelingt Kultivierung von Sars-CoV-2

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Berlin -

Die Forschung im Bereich Sars-CoV-2 macht Fortschritte: Wissenschaftler aus Kanada konnten nun erste Erfolge verzeichnen, die maßgeblich für die Entwicklung von Impfstoffen, Tests und Behandlungsmöglichkeiten sind.

Notwendiges Schlüsselinstrument

Das Forscherteam des Sunnybrook Health Sciences Centre der McMaster Universität und der Universität Toronto hat das neuartige Coronavirus Sars-CoV-2 aus zwei klinischen Proben isoliert und kultiviert. Daraus würden sich längerfristige Lösungen für die Erforschung des Virus ergeben, erklärte Dr. Samira Mubareka, Mikrobiologin und Ärztin für Infektionskrankheiten bei Sunnybrook. „Wir brauchen Schlüsselinstrumente, um Lösungen für diese Pandemie zu entwickeln.“

Es wurde mit Hochdruck an der Isolation gearbeitet: „Forscher dieser erstklassigen Institutionen haben sich an der Basis zusammengetan, um das Virus in nur wenigen Wochen erfolgreich zu isolieren", sagte Dr. Rob Kozak, klinischer Mikrobiologe bei Sunnybrook. „Es zeigt die erstaunlichen Dinge, die passieren können, wenn wir zusammenarbeiten.“

Grundlage für weltweite Forschungen

Dr. Arinjay Banerjee, Postdoktorand an der McMaster University erklärt, warum dieser Schritt so wichtig ist: „Nachdem wir das SARS-CoV-2-Virus isoliert haben, können wir dies mit anderen Forschern teilen und diese Teamarbeit fortsetzen.“ Das isolierte Virus kann nun Wissenschaftlern weltweit helfen bessere Tests, aber auch Behandlungsmöglichkeiten und Impfstoffe zu entwickeln. Insgesamt trägt dieser Fortschritt zu einem besseren Verständnis der Sars-CoV-2-Biologie, seiner Evolution und der klinischen Ausscheidung bei.

Mindestens 16 laufende Projekte weltweit

Insgesamt arbeiten nach Informationen des Verbands der forschenden Pharma-Unternehmen (VfA) derzeit mindesten 16 Projekte allein im Bereich Impfstoffentwicklung: Involviert sind neun Pharmaunternehmen und sieben Forschungsinstitute. Unter anderem bemüht sich das deutsche Biotech-Unternehmen CureVac, einen geeigneten Impfstoff zu entwickeln. Weltweit sind jedoch Forscherteams am Start, darunter auch Janssen, eine Tochtergesellschaft von Johnson & Johnson, Sanofi Pasteur, Moderna + NIAID, Inovio + Wistar Institute, Clover Biopharmaceuticals, Novavax, Tonix Pharmaceuticals und Altimmune. Andere Hersteller wie GlaxoSmithKline (GSK) und Dynavax tragen mit verschiedenen Adjuvantien zur Wirkverstärkung der Vakzine bei. Laut VfA werden CureVac, Moderna und Inovio zudem von der Coalition for Epidemic Preparedness Innovations (CEPI) finanziell unterstützt.

Impfstoffentwicklung – ein stufenweiser Prozess

Ein Impfstoff wird grundsätzlich in mehreren Etappen entwickelt: Zunächst muss das entsprechende Virus analysiert werden. Dazu wird ermittelt, was genau die Immunreaktionen hervorruft. Anschließend gilt es, das Design des Impfstoffes zu entwickeln: Welche Teile des Virus sollen enthalten sein und welche Zusatzstoffe werden hinzugefügt? Danach folgt die Erprobung an Tieren, um erste Ergebnisse zu erhalten. Anschließend kann an freiwilligen Probanden getestet werden. Sind die Ergebnisse positiv und der Impfstoff ausreichend erforscht, kann er bei den zuständigen Behörden zugelassen werden. Erst danach erfolgt die Massenproduktion des Impfstoffes.

Anträge werden priorisiert bearbeitet

Dieser Prozess nimmt einige Zeit in Anspruch. Die Behörden haben jedoch bereits zugesichert, alle Anträge in Bezug auf Sars-CoV-2 mit höchster Priorität zu bearbeiten. Dadurch könnten die Etappen weit schneller als je zuvor durchlaufen werden. Dennoch gehen Experten davon aus, dass ein zugelassener Impfstoff frühestens in 12 bis 18 Monaten verfügbar sein kann. Bislang hat noch bei keinem Impfstoff die Erprobung mit Freiwilligen begonnen. Wenn mehrere Unternehmen und Forschungsinstitute ihr Ziel erreichen und entsprechende Ware zur Verfügung stellen können, sind die Chancen auf ausreichende Impfeinheiten für eine globale Impfkampagne höher.

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