Berlin -

Die „pharmazeutischen Bedenken“ sind die letzte Bastion der Apotheker gegen die Rabattverträge. Wenn zum Beispiel ein Patient das Rabattarzneimittel nicht verträgt, darf der Apotheker den Austausch ablehnen und seine Bedenken auf dem Rezept vermerken. Aktuell retaxieren die DAK-Gesundheit und die AOK Baden-Württemberg Apotheken, die ihre pharmazeutischen Bedenken aus Sicht der Kassen nicht ausreichend begründen.

Mit der Sonder-PZN 02567024 dokumentiert der Apotheker auf dem Rezept, dass er den Rabattvertrag wegen pharmazeutischer Bedenken nicht befolgt hat. Diese bestehen etwa, wenn der Therapieerfolg des Patienten trotz zusätzlicher Beratung gefährdet ist. Anders ausgedrückt: Wenn der Patient ein ihm unbekanntes Mittel gar nicht nimmt, ist niemandem geholfen.

Neben den allgemeinen Regeln im Rahmenvertrag gibt es dazu einen Kommentar des Deutschen Apothekerverbands (DAV). Darin heißt es, dass der Apotheker den Grund für die Abweichung vom Rabattvertrag im Einzelfall „stichwortartig zu vermerken“ haben. Als Beispiele werden unter anderem Wirkstoffe mit geringer therapeutischer Breite, Non-Compliance oder problematische Dosierungen genannt.

Vorgaben für die schriftliche Begründung gibt es nicht, allerdings gibt es gängige Formulierungen wie: „Gefährdung des Therapieerfolgs durch Non-Compliance.“ Manche Apotheker haben sich sogar Stempel mit diesem Satz anfertigen lassen und fahren nach eigenen Angaben gut damit.

Aktuell treten jedoch vermehrt Retaxationen auf, bei denen Apotheken ihre pharmazeutischen Bedenken nicht oder nicht ausreichend begründet haben. So hat die DAK Verordnungen über L-Thyroxin retaxiert, bei denen der Apotheker ohne weitere Begründung nur die Sonder-PZN aufgedruckt hatte.

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