PKV verschickt FFP2-Scheine doppelt – und an Kinder

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Berlin - Erst versendeten die Krankenversicherungen die Berechtigungsscheine für kostenlose FFP2-Masken vielerorts zu spät und nun scheint sich zu zeigen: Vielerorts erhalten Leute Berechtigungsscheine, die gar keinen Anspruch darauf haben. Bei einem Apotheker aus Siegburg lag seine Krankenversicherung aber besonders weit daneben: Sie schickte Berechtigungsscheine an seine 11- und 15-jährigen Kinder.

„Bei den PKVen scheint es drunter und drüber zu gehen“, sagt Marc Remmel, Inhaber der Wilhelm-Apotheke in Siegburg. „Erst gestern hatte ich eine Patientin am HV, bei der ich mich erinnern konnte, dass sie ihre Scheine schon abgegeben hatte.“ Als ihm das in den Sinn kam, hatte sie die allerdings schon eingepackt. Trotzdem fragte er sie, ob sie denn nicht schon da gewesen sei. Ihre Erklärung: Ihr Mann habe zwei Tage nach dem Erhalt seiner Berechtigungsscheine zum zweiten Mal welche zugesandt bekommen. „Die Leute gehen dann tatsächlich auch ein zweite Mal Masken abholen, sagt Remmel. „Einerseits war sie so ehrlich, es gleich zu sagen, andererseits so dreist, es trotzdem zu tun. Aber was soll ich dann auch machen? Soll ich verlangen, dass sie mir die Masken zurückgibt? Ich kann das ja ohnehin auch gar nicht prüfen.“

Doch mit der Frau und dem doppelten Bezugsschein war wohl nur die Spitze des Eisbergs. „Dann komme ich an dem Tag nach Hause und was sehe ich: Zweimal Berechtigungsscheine für meine 11- und 15-jährigen Kinder. Keins von beiden hat, Gott sei Dank, irgendeine Vorerkrankung oder gehört einer Risikogruppe an.“ Einlösen werde er die natürlich nicht, seine Frau habe sie bereits weggeschmissen, sagt er – und fragt sich, wie so etwas passieren kann. „Es gibt doch Disease-Management-Programme. Die Versicherungen müssen doch einen Überblick haben, welche Versicherten Vorerkrankungen haben und ein Häkchen beim Alter zu setzen, kann doch nicht so schwer sein!“

Erst am Donnerstag sei er bei einem Freund gewesen – Ende 40, keine Risikogruppe – der ebenfalls Berechtigunssgscheine von seiner PKV erhalten hatte. Remmels Versicherung, die DKV/ Ergo, zeigt sich auf Anfrage ebenso überrascht, dass es offenbar zu solchen falschen Versendungen kommt. Kurz darauf. Das Problem sei nicht bekannt, sagt ein Sprecher, entsprechend könne man auch nichts dazu sagen, warum und wie oft es vorkomme. Man gebe die Information aber an die entsprechende Abteilung mit Bitte um Aufklärung. Die meldet sich tatsächlich kurz darauf zurück: Es handele bundesweit um 27 bis 40 Millionen Briefe, die derzeit versandt werden, auch die DKV schreibe hunderttausende Kunden an. Dass bei solchen Massenaktion in der Datenselektion mal etwas schiefläuft, sei nicht zu vermeiden. Es gebe dahingehend auch Rückmeldungen von Kunden, das seien aber Einzelfälle und kein Massenphänomen. Dass Menschen Brechtigungsscheine erhalten, die auf den ersten Blick keiner Risikogruppe angehören, sei allerdings gar nicht merkwürdig: Denn die Vorgaben der Bundesregierung würden sich nicht nur auf schwere chronische Erkrankungen, sondern auch auf häufig vorkommende Indikationen wie obstruktive Bronchitis oder Asthma bronchialis beziehen. Es sei deshalb auf der Grundlage von eingereichten Rechnungen durchaus möglich, dass in solchen Fällen tatsächlich ein Anspruch besteht.

Um ein regionales Problem scheint es sich dabei keineswegs zu handeln, am anderen Ende der Republik ist das Problem nämlich auch bekannt: Bereits zweimal standen junge Männer, die nach eigenen Angaben unberechtigt Scheine erhalten hatten, auch in der Allacher Apotheke von Sigrid-Renate Drasch in München. Die zeigten sich jedoch sozial: einer gab zumindest vor, sie spenden zu wollen, der zweite, 44-Jährige, gab direkt Butter bei die Fische. „Er war so sozial veranlagt, dass er uns gebeten hat, diese Masken an einen Bedürftigen kostenfrei abzugeben und hat es sich auch nicht nehmen lassen, die 2 Euro Zuzahlung zu bezahlen“, erzählt Drasch. „Das fand ich wirklich toll. Ich habe die Masken natürlich auch direkt weitergegeben – aber das ist doch nicht Sinn der Sache, dass das so läuft!“ Vor allem mache sie wütend, dass die Maskenabgabe via Bezugsschein zuletzt so schleppend anlief, gleichzeitig aber solche Patzer passieren. „Ich habe hier Patienten, die sind 88 Jahre alt und warten immer noch auf ihre Bezugsscheine!“, sagt sie. „Aber so ist es halt: In dem Moment, wo Krankenkassen etwas in die Hand nehmen, geht es schief.“

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