Paracetamol/Morphin: Rezeptur rückt in den Fokus

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Berlin - Bereits vor Corona waren zahlreiche Fertigarzneimittel nicht lieferbar. Durch die Pandemie könnte es zu weiteren Engpässen kommen. Um Patienten weiterhin versorgen zu können, können einzelne Medikamente patientenindividuell als Rezeptur hergestellt werden. Zu den Wirkstoffen Paracetamol und Morphin hat das NRF nun Rezepturtipps veröffentlicht. Die Anweisungen zeigen, wie aus Reinsubstanz oder Fertigarzneimitteln eine passende Medikation hergestellt werden kann.

Gerade das Analgetikum Paracetamol ist für die Versorgung von kranken Babys und Kleinkindern wichtig. Für Kinder unter 5 kg Körpergewicht eignet sich innerhalb der Selbstmedikation kein anderer fiebersenkender Wirkstoff. Aufgrund von Bevorratungen, die zahlreiche Eltern während der Pandemie vorgenommen haben, und der Falschmeldung, dass Ibuprofen den Verlauf von Covid-19 beeinflusst, ist Paracetamol in den Darreichungsformen Zäpfchen und Saft zur Mangelware geworden. Um Kinder weiterhin mit dem Analgetikum versorgen zu können, können Suppositorien und Suspensionen in der Rezeptur hergestellt werden.

Ist die Reinsubstanz in der Apotheke vorrätig, so kann eine Suspension wie gewohnt hergestellt werden. Hierfür sind fertige Suspensionsgrundlagen am Markt. Syrspend ist mit Aroma oder geschmacksneutral erhältlich. Fagron hat die Stabilität für zahlreiche Wirkstoffe überprüft, so liegt die Haltbarkeit bei einer Paracetamol-haltigen Suspension mit Syrspend als Grundlage bei 90 Tagen. Diese Angabe bezieht sich auf eine Dosierung von 50 mg/ml. Als Konservierungsmittel dient Natriumbenzoat. Dieser Stoff sollte bei Kindern unter zwei Jahren nur nach einer sorgfältigen Nutzen-Risiko-Abwägung gegeben werden. Die in der Grundlage enthaltene Menge ist gering, sodass unerwünschte Arzneimittelwirkungen auszuschließen sind – nach einer Rücksprache mit dem Kinderarzt könnte auch diese Grundlage verwendet werden. Ohne Natriumbenzoat kommt die Grundlage von Inresa aus: Inorpha ist mit Kaliumsorbat konserviert – hier kann ein Einsatz bei Kindern unter zwei Jahren bedenkenlos erfolgen. Die Stabilitätsdaten sind nicht so umfangreich wie bei Syrspend.

Der standardisierte Träger „Grundlage für Suspensionen zum Einnehmen NRF S.52“ kommt als Grundlage ebenfalls infrage. Die Stammzubereitung kann vorgefertigt bezogen werden. Steht eine fein gepulverte Ausgangssubstanz zur Verfügung, so lassen sich Suspensionen direkt daraus herstellen. Muss auf Tabletten zurückgegriffen werden, so muss das Fertigarzneimittel ausreichend gemörsert werden. Je nach Füllstoff kann es zu unterschiedlich schnellem Herabsinken der Teilchen kommen – vor der Gabe des Saftes ist dieser zu schütteln. Aus früheren Krankenhausvorschriften ist ein Paracetamol-Saft mit Propylenglykol bekannt. Der Stoff dient als Lösungsvermittler, da das Analgetikum nur bedingt wasserlöslich ist. Die Toxizität von Propylenglykol für Kinder wird ähnlich hoch eingestuft wie die von Ethanol. Laut NRF sollte auf rein wässrige Zubereitungen ausgewichen werden.

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