Ein „Buden-Apotheker“ zieht Bilanz

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Berlin -

Seit 30 Jahren steht Apotheker Heinz-Jürgen Waterkamp in seiner Rats-Apotheke in Velbert. Das ist eine dieser „kleinen Buden“, die zum Sterben zu groß, zum Überleben aber vielleicht zu klein sind. Waterkamp ist 63 Jahre alt, würde eigentlich gerne seinen Ruhestand planen und versorgt tagtäglich 150 Kunden. Jetzt hat er sich seinen Frust von der Seele geschrieben und dafür im Internet viel Zuspruch erhalten: Knapp 100 Likes gab es und mehr als 20 Kommentare. „Die Politik muss sich überlegen, wie sie diese große Gruppe der kleinen Buden mit in die Zukunft nehmen kann“, wünscht sich Waterkamp. Sonst werde es eng mit der Arzneimittelversorgung.

„Ihr lieben Beraterinnen und Berater, jungen und/oder kraftvollen und/oder wohlhabenden Kolleginnen und Kollegen,ihr wundert euch, warum ein großer Teil der Kollegenschaft auf alle tollen und wohlmeinenden Ratschläge, auf alle Aufrufe zum Aufstand und alle Warnungen zum Beispiel vor dem E-Rezept nicht reagiert“, leitet Waterkamp seinen Frust-Brief ein. Er gehöre zu dem großen Teil – „wie ich jetzt gelesen habe immerhin 30 Prozent“ – derjenigen, die mit Anfang 60 Jahren in ihrer „unverkäuflichen kleinen Bude“ stünden und einfach das Gefühl hätten: „Wir haben die Schnauze voll, können aber nicht mehr die Energie aufbringen, eine Revolution zu entfachen.“

Er wisse nicht, ob er für alle Inhaber von kleinen Buden sprechen könne, aber er fühle sich durch die despektierliche Aussage über „unverkäufliche kleine Buden“ beleidigt, auch wenn diese vielleicht wahr sei: „Ich habe in meinem Berufsleben wohl über eine Million Menschen pharmazeutisch nach bestem Wissen betreut und mehr oder weniger glücklich gemacht. Ich habe als Selbstständiger viel zum Bruttosozialprodukt beigetragen, für den Unterhalt der Familien meiner Mitarbeiterinnen gesorgt und nicht nur viele Steuern gezahlt, sondern auch Vermieter, Computeranbieter, usw. usw. mit vielen Beiträgen unterstützt.“

Gezahlt hat Waterkamp rund fünf Millionen Euro Gehälter an seine Mitarbeiter, circa 500.000 Euro Gewerbesteuer an seine Kommune und rund eine Million Euro Einkommensteuer. Er habe leider nie das Geld in Schubkarren aus seiner Bude gefahren, da er immer nur ein einfacher Apotheker vor Ort gewesen sei. Aber so Waterkamp: „Ich liebe die pharmazeutische Seite meines Berufes sehr und freue mich über die positiven Resonanzen meiner Stammkunden.“

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