Zukunft Vor-Ort-Apotheke

Studentin: Sorge, als Chefin nur Kauffrau zu sein

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Berlin -

Angehende Pharmazeuten blicken mit Skepsis auf das Berufsfeld Vor-Ort-Apotheke. Die Gründe sind unterschiedlich. Zu viel Bürokratie, zu viel kaufmännische Entscheidungen und zu wenig Pharmazie. „Da besteht die Sorge, dass man in erster Linie Kaufmann ist“, sagt Studentin Alexa Brouns.

Eine eigene Apotheke sei für viele nicht die allererste Wahl, sagte Brouns dem Apothekerverband Westfalen-Lippe (AVWL). Die Standesorganisation befragte für eine Sommerserie verschiedene Arbeitnehmer aus der Offizin und Inhaber zum Thema Fachkräftemangel. Brouns ist mit ihrer Studienwahl zufrieden, die Famulatur hat sie bereits hinter sich. Bio und Mathe waren ihre Lieblingsfächer in der Schule, im Studium wollte sie deshalb ein naturwissenschaftliches Fach.

Aber auch etwas mit guten Berufsaussichten. Biowissenschaften seien deshalb eher nicht in Frage gekommen; Medizin und die Vorstellung zu operieren waren ebenfalls nicht ihre Sache. Pharmazeuten stünden dagegen viele verschiedene Wege offen: „Industrie, Apotheke, Verwaltung, Krankenhaus. Und man hat beste Zukunftsaussichten. Wir werden händeringend gesucht“, so die Studentin, die im vierten Semester ist.

Ob sie als Apothekerin später in Industrie, Klinik oder Offizin tätig sein will, weiß sie noch nicht. In Vor-Ort-Apotheken werde der Beruf leider nicht genügend wertgeschätzt, kritisiert sie. Im Praktikum lernte sie weitere Aspekte kennen, die sie an einer späteren Selbstständigkeit zweifeln lassen – vor allem die Bürokratie. Angestellte Apothekerin oder eine Stelle bei einem Hersteller sei eher etwas. Diese Einschätzung spiegele die Stimmung der anderen Studenten in ihrem Semester wieder.

Ganz ausschließen will Brouns das Vor-Ort-Geschäft aber nicht: „Mehr Bezug zum Fach und mehr Beratung – dann ist Apotheke vor Ort eine Perspektive“, sagt sie. Im Studium schätzt sie die Verbindung von Theorie und Praxis. Das sei sehr spannend. Freude bereite ihr derzeit „Teedrogenkunde“ und „instrumentelle Analytik“.

Der AVWL will mit der Serie über den Fachkräftemangel in Apotheken informieren. Auf eine bei der Arbeitsagentur gemeldete offene Stelle kommen demnach derzeit gerade einmal 1,6 Bewerber. 143 Tage lang müssten Apotheker warten, bis sie eine Position neu besetzen könnten. Mancher Standort werde aufgegeben, weil Inhaber kein Personal fänden.

Seit einem Monat macht der Verband mit verschiedenen Köpfen auf das Thema aufmerksam. Eine junge Apothekerin erklärte beispielsweise, warum der Arbeitsplatz Apotheke für sie eine Zukunft habe und der schönste der Welt sei. Ein Apotheker-Ehepaar schildert, warum es trotz Rentenalter den Betrieb nicht aufgeben will: Die Kunden brauchten einen direkten Ansprechpartner, nicht nur eine Hotline. Drei PTA-Schülerinnen schildern, warum sie sich freuen darüber, dass PTA gesucht werden.

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