Wegen Fachkräftemangel: Apotheke darf zwei Tage schließen

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Berlin - Apothekerin Annette Vaupel-Naumann muss sich nicht mehr an die Mindestöffnungszeiten halten, die ihr die Apothekerkammer Hessen eigentlich vorschreibt. Denn die Inhaberin der Ohm-Apotheken Nieder-Ohmen und Gemünden hat vor Gericht einen Vergleich mit der Kammer erzielt: Da sie nicht genügend Personal findet, um beide Apotheken entsprechend der Apothekenbetriebsordnung offen zu halten, darf sie die Filiale mittwochs und samstags schließen. Dem vorangegangen war ein Rechtsstreit inklusive angedrohter Strafzahlung und Zwangsschließung.

„Eine Lösung der Vernunft, vor allem für die ansässige Bevölkerung“, nennt Vaupel-Naumann die Einigung mit der Kammer. Denn die 58-Jährige betreibt zwei kleine Landapotheken in einer unterversorgten Region. „Ich könnte auch zusperren und als angestellte Apothekerin arbeiten, dann würde ich mit weniger Arbeit mehr Geld verdienen“, sagt sie. „Das will ich aber nicht. Es ist meine soziale Einstellung, dass ich für die Menschen hier da sein will und nicht einfach schließe.“ Da hätte ihr die Kammer allerdings beinahe einen Strich durch die Rechnung gemacht. Was sie vor hatte, sei existenzbedrohend gewesen, so die Inhaberin.

Vaupel-Naumann kämpft schon eine ganze Weile dafür, die Versorgung aufrecht zu erhalten. Seit 24 Jahren betreibt sie ihre Apotheke, nach eigener Aussage war sie in der Zeit kein einziges Mal krank. Vor zweieinhalb Jahren fing dann der Ärger an: Da verabschiedete sich der Leiter ihrer Filiale, um fünf Kilometer weiter eine Apotheke zu übernehmen. Sie könne ihm das nicht verübeln, das Verhältnis sei bis heute gut. Doch die Entscheidung stürzte sie in erhebliche Schwierigkeiten, denn es blieb nur eine weitere Apothekerin, die aber aus familiären Gründen nicht Vollzeit arbeiten kann. Die Arbeitsstunden reichten schlicht nicht mehr aus, um beide Apotheken voll geöffnet zu halten. Also entschied sich die Inhaberin, die Filiale mittwochs und samstags geschlossen zu halten – an diesen Tagen ist die nahegelegene Arztpraxis ebenfalls zu, das Patientenaufkommen entsprechend gering.

Einen weiteren Apotheker suchte sie trotzdem die ganze Zeit, durchweg erfolglos. „Wenn die hören ‚Landapotheke‘ und ‚Notdienst alle elf Tage‘, winken die doch gleich ab“, sagt sie. Der Plan mit den verringerten Öffnungszeiten funktionierte auch vorerst – bis zu einer Revision im vergangenen Jahr. „Der Pharmazierat ging hier durch und hatte überhaupt nichts an der Apotheke auszusetzen. Alles war 100 Prozent in Ordnung“, erinnert sie sich. „Und dann, ganz zum Schluss, sieht er das Schild mit den Öffnungszeiten.“ Die meldete er an die Kammer, die sich wiederum mit überaus unerfreulicher Post an Vaupel-Naumann wandte. Die Inhaberin hatte eine Anordnung im Postfach: entweder eine Strafzahlung von 5000 Euro und die Wiederherstellung der vollen Öffnungszeiten oder die Schließung der Filiale.

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