ApoRetro – Der satirische Wochenrückblick

Großhandel: Jetzt über Wannen-Rabatt reden!

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Berlin -

Seit dieser Woche trauen sich die Großhändler aus ihrem Versteck. Lange war nicht ganz klar, wie sie mit dem Skonto-Urteil umgehen würden. Doch nun ist klar: Pflichtschuldig werde man sich an das Urteil halten und den überzulässigen Rabatt für die Apotheken streichen. Doch dabei kann es natürlich nicht bleiben. Immerhin wissen auch die Phoenix, Gehe & Co., dass viele ihrer Kunden die bisherigen Rabatte zum Überleben brauchten. Nun sind daher neue Ideen gefragt, wie Apotheken und Großhandel hier aufeinander zugehen könnten. So kann bei einer Selbstabholung seitens der Apotheke künftig kräftig gespart werden und auch, wer ALLE Wannen direkt wieder zurückgibt, kann Bonuspunkte sammeln.

Ein paar Vorschläge gab es ja schon, wie der Großhandel künftig statt mit Skonti auf die Apotheken zugehen könnte. Doch diese umzusetzen, ist gar nicht so einfach: Bürokratische Hürden, gesetzliche Hürden – es braucht schnellere Hilfen und leichter umsetzbare Ideen, da sind sich alle Beteiligten sicher.

Also haben Phagro und Großhändler selbst mal geschaut, an welchen Stellschrauben gedreht werden kann. Herausgekommen ist ein umfangreicher Maßnahmenkatalog, mit dem engagierte Apotheken sogar mehr Geld sparen können als vorher bei Skonti. Schließlich profitieren beide Seiten.

So besteht nun beispielsweise die Möglichkeit, sich seine Bestellungen einfach selbst beim Großhandel abzuholen. Wer zum Beispiel den Boten einfach zum Großhandelslager schicken kann, spart die sonst einkalkulierten Lieferkosten. Wer vor Ort selbst die Wannen packt, spart doppelt.

Weiterer Punkt: Auf die Wannen wird ein simples Pfandsystem eingerichtet. Wer ausnahmslos alle Großhandelswannen innerhalb einer Woche zurückgibt, bekommt einen zusätzlichen Bonus. Gleichzeitig ist hier endlich ein Mittel gegen die Zweckentfremdung der praktischen Plastikkisten gefunden.

Großpackungen und Bewertungs-Boni

Wer zudem Wannen einspart und dem Großhandel einfach die vom Hersteller gelieferten Verpackungsgrößen abnimmt, bekommt ebenfalls Cashback. Erlaubt ist das aber nur für ausnahmslos lieferfähige Arzneimittel. Wer von den 500 schwer zu bekommenden Arzneimittel eine solche Großpackung abnimmt, muss seine Telefonnummer zur Verfügung stellen, damit andere Apotheken wissen, an wen sie sich wenden können.

Wer beim nächsten Testkauf den besten Großhandel nennt, bekommt auch hier die Aussicht auf einen dauerhaften Einkaufsvorteil. Genauso liegt nun jeder Lieferung ein Flyer bei. Der Hinweis: Wer online eine Bewertung abgibt und seinen Großhandel des Vertrauens eine positive Bewertung hinterlässt, bekommt einen 3-Prozent-Gutschein. Auch ein Bonus für besonders gute Leistungen während des Pharmaziestudiums ist denkbar. Somit zahlt es sich endlich mal aus, sich richtig reingehängt zu haben.

Einfache Nachlässe auf Rx sind schließlich nicht mehr machbar, also gilt es bei anderen Hintertüren kreativ zu werden. Denn wenn es den Apotheker:innen gut geht, geht es auch dem Großhandel gut. Ziemlich einfache Rechnung. Also warum sollten sich die Großhändler nicht auf weitere Bonus-Modelle mit der Apothekerschaft einlassen?

Partner am langen Arm verhungern lassen?

Tja, warum? Aktuell fühlen sich viele Inhaber:innen wohl eher alleingelassen von ihrem Handelspartner. Denn jetzt, wo die Apotheken in einer ohnehin schon schwierigen wirtschaftlichen Lage dringende Hilfe von Partnern bräuchten, halten sich diese pflichtbewusst an geltendes Recht. Der Großhandelsverband Phagro begrüßte das Skonto-Urteil sogar, nachdem er ausgerechnet einen Tag vor Veröffentlichung beklagt hatte, dass die Großhandelsmarge einen Tiefpunkt erreicht habe. Und die ersten Schreiben der Großhändler, die für so manche Apotheke den Dolchstoß darstellen könnten, trudeln nun auch noch zu den Feiertagen ein.

Die nun angepassten Konditionen für Apotheken bringen für etliche Inhaber:innen herbe Verluste mit sich. Etwa 22.000 Euro Minus mache der Durchschnitt deshalb, rechnet die Treuhand Hannover vor. Da der Mai vermutlich noch zu den alten Vereinbarungen abgerechnet werde, heißt es hier nun sogar für die Apotheken: Jetzt noch mit Ware zu vollen Konditionen bevorraten, dabei natürlich Abverkaufshäufigkeit und Verfalldaten beachten.

Am Ende könnten besonders die großen Apotheken das Nachsehen haben. Wer sich dabei mal wieder ins Fäustchen lacht? Vermutlich die Versender. Noch sei es aber für Redcare zu früh, die Auswirkungen auf Shop Apotheke zu beziffern. Ein irgendwie geartetes Entgegenkommen der Großhändler wäre also durchaus angebracht. (Wirklich und ernsthaft) mögliche Stellschrauben werden bereits diskutiert. Jetzt wäre es an der Zeit, im Sinne des eigenen Geschäftszweigs zu reagieren.

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