Westfalen-Lippe

Erschreckende Bilanz: 100 Schließungen in zwei Jahren APOTHEKE ADHOC, 05.12.2019 11:22 Uhr

Berlin - Seit 15 Jahren sinkt die Zahl der Apotheken in Westfalen-Lippe, und der Trend zu verstärkten Schließungen ist nicht zu stoppen: Der Rückgang im Jahr 2018 von 1973 auf 1922 Apotheken (-51) war der stärkste in der 73-jährigen Geschichte der Kammer. „In diesem Jahr haben wir bereits 36 weitere Schließungen verbuchen müssen. Zusätzlich sind uns 13 Schließungen zum Jahresende angekündigt worden“, so Hauptgeschäftsführer Dr. Andreas Walter. „Das summiert sich auf die erschreckende Bilanz von 100 Apothekenschließungen binnen zwei Jahren.“

In einer entscheidenden Umbruchphase sieht Kammerpräsidentin Gabriele Regina Overwiening die bundesdeutsche Apothekenlandschaft: „So viele Chancen und Risiken zugleich gab es vermutlich nie zuvor für die wohnortnahe Apotheke“, konstatierte sie in ihrem Lagebericht zur Herbstsitzung der Kammerversammlung. „Bleiben wir daher wachsam und engagiert, und lassen Sie uns die Chancen für die Fortentwicklung unseres freien Heilberufes ergreifen“, lautet Overwienings Appell.

„Wir ringen weiterhin um die Gleichpreisigkeit von Arzneimitteln für deutsche Vor-Ort-Apotheken wie für ausländische Versender und stehen zugleich kurz vor der Etablierung neuer honorierter pharmazeutischer Dienstleistungen. Wir treiben digitale Projekte wie das eRezept und den elektronischen Heilberufsausweis voran und erleben zugleich bedingt durch die Lieferengpässe eine Mangelverwaltung sondergleichen sowie den stärksten Apothekenrückgang seit fast einem halben Jahrhundert“, so die Standortbestimmung der Kammerpräsidentin vor den 97 Delegierten des westfälisch-lippischen Apothekerparlamentes.

Bei all diesen Herausforderungen gelte es für die Apothekerschaft, kühlen Kopf zu bewahren und sich auf ihre Stärken zu besinnen: „Wir sind besonders nah am Patienten, und wir gehören bereits zu den Gesundheitsberufen mit der besten IT-Ausstattung. Daher sind wir für die anstehenden Veränderungsprozesse bestens gerüstet – sofern diese in einem gesundheitspolitisch verlässlichen Rahmen erfolgen können.“ Overwiening mahnte daher erneut bei der Großen Koalition an, endlich das lange angekündigte Apothekenstärkungsgesetz (VOASG) auf den Weg zu bringen: „Es wird dringend Zeit, dass auch wir Apotheker Jens Spahn nicht nur als Ankündigungs-, sondern als Umsetzungsminister erleben.“ Das von Spahn angekündigte Boni-Verbot müsse ebenso wie das Makelverbot für eRezepte und die gesetzgeberische Grundlage für die neuen pharmazeutischen Dienstleistungen im Bundestag beraten und verabschiedet werden.

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