Hausärzte kooperieren mit Alphanet und Migasa | APOTHEKE ADHOC
Nordrhein

Hausärzte kooperieren mit Alphanet und Migasa

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Berlin -

Zum Ärger der Apothekerschaft haben die Hausärzte in Westfalen-Lippe kürzlich eine Kooperation mit der niederländichen Versandapotheke DocMorris geschlossen. Jetzt ziehen deren Kollegen in Nordrhein nach: Hand in Hand wollen der Hausärzteverband und die Apothekerkooperationen Alphanet und Migasa zusammenarbeiten und mit einem gemeinsamen Medikationsmanagement die Versorgung der Patienten sicherstellen. Das ist deshalb besonders bemerkenswert, weil die Apothekerkammer Nordrhein mit ihrem Athina-Projekt ein eigenes Angebot zum Medikationsmanagement bereithält.  

„Ärzte und Apotheker arbeiten zukünftig abgestimmt in professionsübergreifenden Workflows und mit einer innovativen Software auf einer gemeinsamen Plattform zusammen. Die Übersicht über die Gesamtmedikation von Patienten, die Verantwortlichkeit für die Arzneimitteltherapiesicherheit und der Austausch zwischen den wichtigsten Heilberufen vor Ort sollen so sichergestellt werden“, heißt es in einer Mitteilung. Das gemeinsame Vorhaben zum flächendeckenden Medikationsmanagement setzt der Hausärzteverband mit den Apothekerkooperationen Alphanet und Migasa sowie deren neu gegründeter Gemeinschaftsfirma Viandar mit Sitz in Lengerich um.

„Die Sicherheit unserer Patienten steht in unserer Arbeit an erster Stelle“, erklärt Dr. Oliver Funken, 1. Vorsitzender des Hausärzteverbands. „Eine zeitnahe Bereitstellung der bestmöglichen Arzneimittel ist für den Behandlungserfolg wichtig.“ Eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit einer Apotheke in der Region, die zuverlässig Medikamente bereitstelle, die Patienten kompetent persönlich berate und im kurzen Austausch mit dem behandelnden Arzt stehe, sei für Allgemeinmediziner wichtig.

Es gebe viele Fragen, die Ärzte, Apotheker und auch Patienten in Zeiten von demografischem Wandel, Fachkräftemangel, zunehmender Kosten im Gesundheitswesen, steigendem Bedarf an hochwertiger Versorgung und Digitalisierung, beschäftigten, so Dr. Alexander Schmitz, Inhaber der Schmitz-Apotheken im nördlichen Niedersachsen und gemeinsam mit Sebastian Kockmann von Migasa Geschäftsführer von Viandar: „Wir haben eine Antwort darauf.“ Ein Netzwerk aus Wissenschaftlern und weiteren Fachleuten der Gesundheitsversorgung unterstütze die Kooperation mit fachlichem Know-how. „Die medizinische Versorgung braucht interdisziplinäre Kooperationen wie diese“, so Funken. „Wir setzen darauf, dass Viandar die gemeinschaftlichen Aufgaben von Hausärzten und Apotheken erleichtert und ergänzt.“

Alphanet mit Sitz in Hamburg wurde nach eigenen Angaben im Jahr 2006 mit dem Ziel gegründet, „erfolgreiche, unabhängige und inhabergeführte Apotheken, in den alltäglichen Arbeiten im Backoffice zu entlasten und die Warenwirtschaft vom Einkauf über die Logistik bis hin zum strategischen Abverkauf zu optimieren“. Derzeit gibt es fünf Gesellschafter – neben Schmitz sind das Holger Gnekow (Privilegierte Adler Apotheke, Hamburg), Frank Niehaus (Niehaus-Apotheken, Ahrensburg) sowie Julia Scheel (Vita-Apotheke, Hamburg) und Oliver Schmidt (Antares-Apotheken, Hamburg) – und 20 Mitglieder mit insgesamt 39 Apotheken. Alle Apotheken arbeiten mit einem einheitlichen Warenwirtschaftssystem und kaufen gemeinsam ein. Derzeit gibt es Vereinbarungen mit 37 Herstellern und drei Großhändlern. Alphanet funktioniert nach dem Umlagenprinzip: Die Teilnehmer zahlen monatliche Beiträge und erhalten dadurch die Möglichkeit, an allen Leistungen zu partizipieren.

Zu Migasa gehören über 200 Apotheken. Die Apotheker verpflichten sich, die Produkte der Industriepartner vorrangig zu platzieren und den Abverkauf aktiv zu fördern. Dafür profitieren sie von Marketing- und Vertriebsdienstleistungen. Nach außen treten die Apotheken nicht als Verbund auf; eine Dachmarke gibt es nicht. Stattdessen gibt es seit 2011 ein eigenes Blisterzentrum im niedersächsischen Nordhorn. Migasa wurde 1998 gegründet, hat ein Dutzend Apotheker als Gesellschafter und wird von Thomas Knoll geführt.

Das AMTS-Projekt Athina wurde ursprünglich von der Apothekerkammer Nordrhein entwickelt. Mittlerweile kommt das Konzept außerdem in Baden-Württemberg, Bremen, Hessen und Niedersachsen sowie demnächst in Schleswig-Holstein zum Einsatz. Im Rahmen des Projekts lernen die Apotheker Grundlagen zur AMTS und die strukturierte Vorgehensweise zur Durchführung einer erweiterten Medikationsanalyse. Als Vorbild dient der „Brown Bag Review“ in den USA: Gemeinsam mit dem Patienten findet eine ausführliche systematische Analyse aller Arznei- und Nahrungsergänzungsmittel statt. Zentrales Ziel ist die Vermeidung von unerwünschten Arzneimittelwirkungen und damit Erhöhung der AMTS. Zudem wird auch die Adhärenz gefördert. Mittlerweile haben sich über 400 Apotheken Athina angeschlossen.

Erst Ende Oktober hatten DocMorris und die Hausärzte in Westfalen-Lippe ihre seit Monaten vorbereitete Kooperation öffentlich gemacht: „Die Hausärztliche Vertragsgemeinschaft und DocMorris kooperieren zum E-Rezept. Der Deutsche Hausärzteverband und der Hausärzteverband Westfalen-Lippe unterstützen dieses Pilotprojekt zur digitalen Rezeptübermittlung. Ein Prüfmodul zur Arzneimitteltherapiesicherheit (AMTS) wird in einer zweiten Phase eingebunden“, hieß es in einer gemeinsamen Erklärung. Durch die Verknüpfung der AMTS-Datenbank mit dem E-Rezept werde die Versorgung der Patienten verbessert, indem die Zahl unerwünschter Arzneimittelereignisse vermindert und die Effizienz in der Arzneimitteltherapie gesteigert werde.

Das Projekt sei über einen Zeitraum von sechs Monaten geplant. In Kooperation mit stationären Apotheken sollen in dieser Zeit die technischen Rahmenbedingungen evaluiert werden, die einen „bedürfnisorientierten Verschreibungs- und Dispensierprozess ermöglichen“. Ziel sei es, den Ärzten die digitale Verordnung von Arzneimitteln zu erleichtern, für Patienten die Handhabung zu vereinfachen und bei Apotheken eine breite Akzeptanz zu erreichen.

Nach bekanntwerden hatte die Apothekerkammer Westfalen-Lippe gegen diese Zusammenarbeit bei den Hausärzten protestiert. Daraufhin versicherte der dortige Hausärzteverband zwar, dass er „die Apotheke vor Ort für unverzichtbar hält“. Trotzdem wird das auf sechs Monate angelegte Modellvorhaben umgesetzt. Los geht es mit fünf ausgewählten Ärzten verschiedener Fachrichtungen. Diese sollen an November in den ersten zwei bis drei Monaten jeweils zwei bis drei Patienten für das Pilotvorhaben auswählen und mit den Stammapotheken dieser Patienten Kontakt aufnehmen. Das bedeutet: Die Patienten sind Mitglied einer Betriebskrankenkasse, die bei den Ärzten vorhandene Praxissoftware arbeitet mit der eRx-App von DocMorris und auch die Apotheken können mit der DocMorris-App kommunizieren.

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