Eppendorfer Dialog

Hennrich: Der Regel-Apotheker lebt in der alten Welt Lothar Klein, 05.12.2019 08:36 Uhr

Berlin - Rund 19.500 Apotheken stellen die wohnortnahe Versorgung mit Arzneimitteln in Deutschland sicher. Die Digitalisierung stellt die Strukturen der Arzneimittelversorgung vor neue Herausforderungen. Stellen digitale Instrumente die Apotheke vor Ort in Frage oder sind sie eine Chance für Patienten, Ärzte und Apotheker? Ist die persönliche Betreuung für verschriebene Arzneimittel und Selbstmedikation in Gefahr? Darüber diskutierten Experten beim von Pohl-Boskamp initiierten 24. Eppendorfer Dialog zur Gesundheitspolitik. Für die Apotheker hatte CDU-Arzneimittelexperte Michael Hennrich wenig schmeichelhafte Bemerkungen parat: „Der Regel-Apotheker lebt in der alten Welt.“

Das Thema der Expertenrunde lautete: „Arzneimittelversorgung der Zukunft: Bleibt die Apotheke vor Ort?“ So wie jetzt jedenfalls nicht, darin waren sich die Diskutanten einig. Hennrich wünscht sich eine zukunftsgewandtere Apothekerschaft: „Die sitzen in ihren Schützengräben und verteidigen ihre Positionen“, teilte Hennrich in Richtung ABDA aus.

Hennrich warnte die ABDA davor, bei den neuen pharmazeutischen Dienstleistungen das Medikationsmanagement ins Zentrum zu stellen: „Da bin ich sehr skeptisch.“ Der Einsatz künstlicher Intelligenz könne hier die Apotheker ganz rasch überflüssig machen. Stattdessen riet Hennrich, das Impfen in Apotheken anzunehmen: „Das können Plattformen nicht.“ Aber hier sagten viele Apotheker: „Das wollen wir nicht“. Hennrich kritisierte, dass es aktuell sehr schwierig sei, mit der Apothekerschaft über solche Themen ins Gespräch zu kommen.

Das gelte auch für das Thema der Abgabe von Cannabis in Apotheken. „Hier könnten die Apotheken eine wichtige Rolle spielen“, sagte Hennrich. Der CDU-Arzneimittelexperte riet den Apotheker, ihr Geschäftsmodell zu modernisieren: „Als Arzneimittellogistiker wird es schwierig werden.“ Empathie sei die Stärke der Apotheker, „darauf sollten sie ihr Konzept aufbauen.“ Denn auch für Hennrich ist der Arzneimittelversandhandel nicht mehr wegzudenken. Nach dem EuGH-Urteil von Oktober 2016 sei er als Befürworter des Rx-Versandhandelsverbots in die Diskussion gestartet. Seine Wähler hätten ihn allerdings dafür „verständnislos angeschaut“ ­ – auch wegen der Versorgungsprobleme auf dem Land. In einem schwierigen Erkenntnisprozess sei er daher zu der Einschätzung gekommen, dass ein Rx-VV zwar rechtlich, aber nicht politisch umsetzbar sei. Ihre Zukunft müssten die Apotheke vor Ort auch in der Spezialisierung suchen, sagte Hennrich: „Diabetes, Onkologie, Prävention werden eine wichtige Rolle spielen.“

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