Medikationscheck

VOASG: Schleswig-Holstein wappnet sich mit Athina

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Berlin -

Egal, ob das Vor-Ort-Apotheken-Stärkungsgesetz (VOASG) kommt oder nicht: Der Begriff pharmazeutische Dienstleistungen ist in der Welt und die Apothekerschaft versucht sich darauf vorzubereiten. Die Apothekerkammer Schleswig-Holstein hat deshalb beschlossen, das Modell Athina –Arzneimitteltherapiesicherheit in Apotheken – zu übernehmen. Der erste Kurs fand bereits statt und die Nachfrage zeigt, dass die Idee auf fruchtbaren Boden fällt.

Inhaltlich bleibt die Kammer Schleswig Holstein dabei auf Linie. „Wir sind da sehr eng an der Apothekerkammer Nordrhein“, erklärt Jutta Clement, Akademieleiterin der Apothekerkammer Schleswig-Holstein. „Das Prinzip ist dasselbe, die Schulung ist identisch.“ Das heißt: Auf ein zweitägiges Basisseminar folgen mehrere Webinare, die im geschlossenen Bereich der Kammer-Website zu finden sind und die federführend von den Kammern Nordrhein und Niedersachsen entworfen wurden.

Denn die Kammer Nordrhein war es, die das Konzept erstmals 2013 eingeführt hatte. Mehr als die Hälfte der Kammerbezirke hat sich seitdem angeschlossen. Vergangenes Jahr zeichnete die damalige niedersächsische Kammerpräsidentin Magdalene Linz persönlich die 400. Apothekerin aus, die Athina anbietet. Das Konzept basiert auf der „Brown Bag Review“, wie sie in den USA schon seit längerem praktiziert wird: Der Patient bringt all seine Arzneimittel in einer Tüte in die Apotheke, der Apotheker unterzieht sie dort einer Medikationsanalyse. Unter anderem prüft er sie auf Verfallsdaten, Doppelverordnungen, Dosierungen, Einnahmemodalitäten und Wechselwirkungen. Daraufhin sucht er nach Möglichkeiten, unerwünschte Arzneimittelwirkungen zu vermeiden oder vermindern. Zur Rücksprache mit dem Arzt erhält der Patient im Anschluss einen Medikationsplan. Ziel ist es, nicht nur die Arzneimitteltherapiesicherheit (AMTS), sondern auch die Adhärenz des Patienten zu fördern.

Bei der Qualifizierung der Apotheker für diesen Patientenservice geht es aber nicht nur um AMTS und Adhärenz, sondern auch die Zukunft der Branche. Das Athina-Projekt soll sie nämlich auf die Implementierung der neuen pharmazeutischen Dienstleistungen vorbereiten, die im VOASG vorgesehen sind, wie Kammerpräsident Dr. Kai Christiansen den Teilnehmern des Auftaktseminars in Kiel erklärte.

Die Apotheker in Schleswig-Holstein scheinen sich dessen bewusst zu sein. Zumindest sprechen die Zahlen dafür: Der Auftaktkurs vergangene Woche war ausgebucht, die zweite Runde im Januar ist es auch schon. Selbst für den Kurs im April seien nur noch vereinzelt Plätze frei. „Das läuft sehr gut an“, konstatiert Clement. Je Kurs nehmen 35 Pharmazeuten teil, zusammen sind also schon knapp 100 Apotheker qualifiziert oder für die Qualifizierung angemeldet. Insgesamt gibt es rund 650 Apotheken in Schleswig-Holstein.

„Ziel ist natürlich so viele Apotheken wie möglich zu erreichen“ erklärt Clement. „100 Prozent ist eine hohe Messlatte, aber wir würden gern erreichen, dass Apotheken diese Dienstleistung möglichst flächendeckend in Schleswig-Holstein anbieten.“ Dazu müssen die Apotheker aber mittelfristig am Ball bleiben: Haben sie Seminar und Webinare belegt, erhalten sie ein Zertifikat, das drei Jahre Gültigkeit hat. Um es zu verlängern, müssen sie das Basisseminar nicht erneut belegen, wohl aber sich online weiterbilden und das nachweisen.

Läuft es gut für die Apotheken, könnten Dienstleistungen wie Athina irgendwann gesondert vergütet werden. Derzeit wird an verschiedenen Ecken und Enden der Branche überlegt, wie das funktionieren könnte. Als bisher Einzige hat die Apothekerkammer Berlin ein fertiges Konzept als Diskussionsgrundlage vorgelegt. Darin kommt auch Athina vor: Das Modell wird in der höchsten von drei möglichen Dienstleistungskategorien aufgeführt, also unter komplexe, auch interdisziplinäre Angebote, für die zusätzliche Ressourcen, Fortbildungen und Zertifizierungen notwendig sind. Sie würden dem Entwurf zufolge am besten vergütet.

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