Alarmstimmung bei der ABDA

DocMorris eRx-App startet mit 5 Ärzten und 15 Apotheken

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Berlin -

Die Ankündigung der Kooperation zwischen DocMorris und den Hausärzten bei der Einführung des E-Rezepts hat die ABDA überrascht. In einer offiziellen Reaktion versucht der DAV, die Zusammenarbeit zwar als „Versuchsballon“ herunterzuspielen. Intern schrillen aber die Alarmglocken. Währenddessen bereiten die Hausärzte in Westfalen-Lippe das angekündigte Pilotprojekt vor: Fünf Ärzte und circa 15 Apotheken sollen die DocMorris eRx-App testen. In zwei Wochen soll es los gehen. Mit im Boot sind auch einige Krankenkassen.

Völlig überrascht wurde die ABDA von der gemeinsamen DocMorris/Hausärzte-Presseerklärung unmittelbar vor Beginn der gestrigen Sitzung des ABDA-Gesamtvorstandes. Eilends wurde per Email beim Landesapothekerverband Westfalen-Lippe nachgefragt, ob man vor Ort über die Zusammenarbeit informiert sei. Das war nicht der Fall. Intern stuft man bei der ABDA die Kooperation als hochbrisant ein. Zugeben will man das aber nicht.

In einer offiziellen Erklärung heißt es nur abwiegelnd: „Derzeit gibt es viele ‚Versuchsballons‘ zum E-Rezept, bei denen Start-Ups und Großkonzerne ihre Zukunftsvisionen und Marktpositionen unter Beweis stellen wollen. Aus Sicht der Apothekerschaft ist jedoch entscheidend, dass das E-Rezept den Gematik-Spezifikationen entspricht und in die Telematikinfrastruktur eingebunden ist. Für die Patienten muss die freie Apothekenwahl erhalten bleiben, und es darf auch kein unüberschaubarer Flickenteppich entstehen, wo jeder Arzt, jede Krankenkasse und jede Apotheke dem Patienten eine eigene technische Lösung aufdrängt. Der Deutsche Apothekerverband entwickelt deshalb mit Hochdruck eine Patienten-App für das E-Rezept, die bundeseinheitlich, kostenfrei und leicht bedienbar ist, aber trotzdem allen Anforderungen an modernen Datenschutz und -sicherheit genügt.“

Die ABDA möchte mit der eigenen E-Rezept-App den Markt dominieren. Mit Gerda entwickelt der Landesapothekerverband Baden-Württemberg gemeinsam mit der dortigen Landesapothekerklammer das gleichnamige E-Rezept-Modellprojekt. Auch in Berlin geht der DAV in Kürze mit einem E-Rezept-Pilotprojekt an den Start, dass am 8. November vorgestellt werden soll – in Anwesenheit von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU). Zudem lobbyiert die ABDA in der Großen Koalition ihre Forderung, dem DAV beim E-Rezept eine Monopolstellung gesetzlich einzuräumen. Das wird bislang aber vom Bundesgesundheitsministerium abgelehnt.

 

Derweil arbeiten die Hausärzte in Westfalen-Lippe an der Umsetzung des geplanten Pilotprojekts mit DocMorris. Mit im Boot sind Betriebskrankenkassen über die Gesellschaft für Wirtschaftlichkeit und Qualität bei Krankenkassen GWQ. Los gehen wird es mit fünf ausgewählten Ärzten verschiedener Fachrichtungen bereits im November. Die Vorbereitungen laufen. Diese sollen in den ersten zwei bis drei Monaten jeweils zwei bis drei Patienten für das Pilotvorhaben auswählen und mit den Stamm-Apotheken dieser Patienten Kontakt aufnehmen. Das bedeutet: Die Patienten sind Mitglied einer Betriebskrankenkasse, die bei den Ärzten vorhandene Praxissoftware arbeitet mit der eRx-App von DocMorris und auch die Apotheken können mit der DocMorris-App kommunizieren. Offenbar gibt es Apotheken, die sich am Pilotprojekt beteiligen wollen. Aus Sicht der ABDA ist es jetzt die Aufgabe des LAV und der Kammer Westfalen-Lippe, auf den dortigen Hausärzteverband einzuwirken. Gesprächsbedarf wurde bereits beim Hausärzteverband angemeldet.

Offen ist noch, welchen Vorteil die Hausärzte aus der Kooperation mit DocMorris ziehen können. Branchenkenner vermuten, dass die in die eRx-App integrierte AMTS-Prüfung der Schlüssel sein könnte: Krankenkassen seien durchaus bereit, Honorar für AMTS-Prüfungen zu zahlen.

Gestern hatten DocMorris und die Hausärzte ihre seit Monaten vorbereitete Kooperation öffentlich gemacht: „Die Hausärztliche Vertragsgemeinschaft und DocMorris kooperieren zum E-Rezept. Der Deutsche Hausärzteverband und der Hausärzteverband Westfalen-Lippe unterstützen dieses Pilotprojekt zur digitalen Rezeptübermittlung. Ein Prüfmodul zur Arzneimitteltherapiesicherheit (AMTS) wird in einer zweiten Phase eingebunden“, hieß es in einer gemeinsamen Erklärung. Durch die Verknüpfung der AMTS-Datenbank mit dem E-Rezept werde die Versorgung der Patienten verbessert, indem die Zahl unerwünschter Arzneimittelereignisse vermindert und die Effizienz in der Arzneimitteltherapie gesteigert werde. Das Projekt sei über einen Zeitraum von sechs Monaten geplant. In Kooperation mit stationären Apotheken sollen in dieser Zeit die technischen Rahmenbedingungen evaluiert werden, die einen „bedürfnisorientierten Verschreibungs- und Dispensierprozess ermöglichen“. Ziel sei es, den Ärzten die digitale Verordnung von Arzneimitteln zu erleichtern, für Patienten die Handhabung zu vereinfachen und bei Apotheken eine breite Akzeptanz zu erreichen.

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