Apothekennachfolge

„Kleine Buden sind unverkäuflich“ Lothar Klein, 12.12.2019 09:05 Uhr

Berlin - Auf den Apothekenmarkt rollt die demographische Welle zu. Nach Schätzungen stehen in den nächsten fünf Jahren rund 5500 Apotheken aus Altersgründen zum Verkauf, weil die Inhaber eigentlich das Rentenalter erreichen. Das sind knapp 30 Prozent des Marktes. Das wird nicht ohne Folgen für die Kaufpreise bleiben. Marco Benz von der Beratungsfirma Apomind CoMM rechnet mit einem zweigleisigen Trend. „Kleine Buden“ werden so gut wie unverkäuflich, die Preise für attraktive Apothekenstandorte werden weiter steigen.

„Die Schere der Apothekenwerte geht weit auseinander“, bilanziert Benz das Marktgeschehen: „Viele Apotheker wären schon froh, wenn Sie das Warenlager als Kaufpreis bekommen würden und die Übernahme des Mietvertrages und langlaufender Leasingverträge erfolgen würde.“ Bei dieser Entwicklung, dem Überangebot und der schwachen Ertragslage stelle sich die Frage, welche Apotheken überhaupt spannend und gut zu verkaufen seien. Der Chef der Consulting-Firma hat anhand der fünf häufigsten Apothekentypen eine Klassifizierung vorgenommen. Vier davon können beim Verkauf eher problembehaftet sein – selbst Apotheken in Ärztehäusern sind keine Selbstläufer mehr. Nur Apotheken in guten Alleinlagen müssen sich laut Benz fast keine Sorgen machen.

Früher einmal galten Apotheken in Nahversorgungszentren (NVZ) als lukrative Objekte. Das hat sich laut Benz geändert: Denn der Erfolg dieser Apotheken hängt an der Attraktivität des NVZ. Benz: „Viele sind in die Jahre gekommen, verlieren an Attraktivität und somit auch die Apotheke als Frequenznehmer selbst.“ Der Verkauf einer solchen Apotheken kann künftig Probleme bereiten. Ist der gute Ruf eines NVZ erst einmal in Gefahr oder bereits gestört, sinkt für gewöhnlich auch der Umsatz der Apotheke, der zu einem guten Teil von der Laufkundschaft abhängt. Selbst Apotheken mit einem Umsatz von 2,5 Millionen Euro im Jahr gehören zu den Verlierern. „Wegen der langen wöchentlichen Öffnungszeiten von bis zu 70 Stunden sind die Personalkosten überdurchschnittlich hoch. Auch die Mieten sind oft deutlich höher als an anderen Standorten“, so Benz. Die hohen Fixkosten drücken den Ertrag unter die Wirtschaftlichkeitsschwelle.

Gespalten ist laut Benz die Lage der Landapotheken. Hier gebe es ein breites Spektrum von Apotheken mit nur 800.000 Euro Jahresumsatz und andere mit 2,5 Millionen Euro und mehr. Benz: „Hier geht die Schere besonders weit auseinander. Die kleinen werden wegfallen und die großen werden noch stärker und damit attraktiver, was dann allerdings auch zu Lasten steigender Notdienste geht, da weiniger Apotheken per se mehr Notdienste bedeuten.“ Besonders begünstigt sind Benz zufolge Apotheken in den sogenannten „Speckgürteln“. Die Stadtflucht der Menschen unter anderem wegen hoher Mieten kommt den Apotheken im Umland der Metropolen zu Gute. In die „Speckgürtel“ ziehen häufig junge Familien, weil es dort bezahlbaren Wohnraum und eine gute Infrastruktur gebe. Diese Apothekenstandorte hält Benz für zukunftsträchtig. Schwer verkäuflich sind laut Benz hingegen kleine Apotheken in abgelegeneren Gemeinden. „Ist dort auch schon der Arzt wegzogen, ist die Lage ziemlich aussichtslos“, so Benz.

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