Apothekenpersonal

Pharmazieingenieurin: Enttäuschter Abschied von der Apotheke APOTHEKE ADHOC, 06.10.2017 10:16 Uhr

Berlin - Beruf mit Verramschungstendenz: Die Apotheke hat im Laufe der Zeit ihre Magie verloren. Vorbei ist die Zeit von weißen Kitteln, dunklem Holz, unzähligen Schubladen und Gefäßen – und dem Respekt vor den Menschen hinter dem HV-Tisch. Das Tagesgeschäft ist knallhart geworden. Eine Pharmazieingieneurin nimmt daher Abschied von der Offizin – und berichtet, warum sie nicht mehr für die Patienten da sein kann und was in der Apotheke schief läuft.

Nach dem Abitur war Pharmazie der große Wunschtraum. Seit 30 Jahren arbeitet Katharina* in der Apotheke. Die Pharmazieingenieurin ist in Vollzeit tätig und mit viel Herzblut dabei. Sie hat viele Apotheken kennengelernt und von der Kiez- bis zur Centerapotheke alles gesehen. Katharina weiß, wovon sie spricht, sie hat den Wandel der Apotheke hautnah miterlebt.

„Die Arbeit an sich ist sehr schön, ich mag es den Menschen zu helfen. Die Pharmazie liegt mir sehr am Herzen“, schwärmt sie. Dennoch wird sie der Apotheke den Rücken kehren – ohne zu jammern. Ihre Bilanz: „Aus PTA und Pharmazieingenieuren wird alles rausgepresst, was geht. Sie sind Fließbandkräfte am HV und werden von den Inhabern allein gelassen.“ In sieben Stunden hat Katharina neulich 150 Kunden bedient – allein, parallel an zwei Kassen. Verkaufen, das sei es, worum es gehe, von Zeit für Beratung keine Spur. Die Ethik sei dahin und mit ihr die Motivation, warum sie ihren Beruf einmal erlernt habe. „Der Beratungsgedanke geht in der Masse unter.“

Beraten, Fürsorge leisten, das ist es, was die Pharmazieingenieurin will. Aber die Realität sehe anders aus: Fachkräftemangel, schlechte Bezahlung und ein falsches Bild seien die täglichen Probleme, mit denen Apothekenangestellte zu kämpfen hätten. „Kunden sehen uns als Verkäufer. Wir haben einen weißen Kittel an und tragen die Kohle in Säcken aus der Apotheke. Unser Beruf wird nicht mehr anerkannt.“ Zudem zeichneten die Tests im Fernsehen ein schlechtes Bild: Apotheken beraten nicht, so der Tenor. „Wir haben zum Teil gar keine Zeit für die Beratung und viele wollen sich auch gar nicht mehr beraten lassen.“ Katharina kann nur aus ihren Erfahrungen sprechen, anderen Kollegen ergehe es vielleicht anders. Aber für Problemfälle bleibe ihr jedenfalls keine Zeit mehr. Sie findet es „furchtbar“, sich nicht mehr in ausreichendem Maß um alte und kranke Menschen kümmern zu können.

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