Behörde lässt sich Zeit

Approbation: Apothekerin wartet seit einem Jahr

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Berlin -

Eine Apothekerin aus Rumänien kann in Hessen nicht arbeiten, weil ihre Approbation in Deutschland nicht anerkannt wird. Das stelle eine hohe finanzielle Belastung für sie dar. Das Apothekensterben würde sich auch dadurch beschleunigen, dass der Nachwuchs aus dem Ausland durch die kräftezehrenden Anerkennungsverfahren schlichtweg vertrieben werde, erklärt Dr. Nojan Nejatian, der ihre Fachsprachprüfung abnahm. „Es ist in Deutschland einfacher, einen Führerschein zu machen als die Anerkennung für Fachpersonal zu bekommen“, stellt der Inhaber der Heegbach-Apotheke in Hessen, fest.

Eine deutsche Approbationsurkunde zu erhalten, ist für ausländisches Fachpersonal besonders schwierig. Auch Adina Coman, die in Rumänien geboren wurde und dort Pharmazie studierte, wartet seit fast einem Jahr auf ihre deutsche Approbationsurkunde. Seitdem sie in Deutschland sei, könne sie nicht als Apothekerin arbeiten, obwohl sie das Studium ordnungsgemäß in ihrem Heimatland abgeschlossen habe. „Das stellt eine hohe finanzielle Belastung für mich dar“, sagt sie.

Aktuell verdiene sie nur einen Bruchteil von dem Gehalt, das ihr zustünde. „Ich habe eine Weile in der Apotheke gearbeitet, aber als PTA, nicht als Apothekerin.“ Auch nach einem Jobwechsel muss sie mit Einschränkungen zurechtkommen. „Ich darf zum Beispiel nicht als einzige Approbierte in der Apotheke sein, arbeite demnach immer unter Aufsicht. Das ist nicht schön“, beklagt sie.

Prüfung längst bestanden

Dabei hat sie die Prüfung bei der Landesapothekerkammer Hessen bereits vor etlichen Monaten bestanden. „Ich selbst habe bei ihr die Fachsprachprüfung abgenommen“, sagt Nejatian. „Als europäische Staatsbürgerin braucht man auch keine weitere Kenntnisstandprüfung.“

Somit hätte sie eigentlich zeitnah als Apothekerin arbeiten können – aber dafür fehle ihr immer noch die Approbationsurkunde. „Das ist zum Verzweifeln“, sagt Coman. „Wir studieren so viel und geben uns mit allem solche Mühe und dann passiert sowas.“ Sie liebe ihren Beruf, aber die Wertschätzung fehle komplett. „Ich habe gehört, dass es in anderen Bundesländern sehr viel schneller geht mit der Anerkennung“, erklärt Coman. „Aber ich möchte in Hessen bleiben.“

Trägheit fördert Apothekensterben

Absurd finde Nejatian auch, dass es hierzulande einfacher sei, einen Führerschein zu bekommen, als die Approbationsurkunde. „Es dauert einfach unfassbar lange, die Behörde hat sich mittlerweile fast ein Jahr Zeit gelassen. Wird die praktische Prüfung beim Führerschein bestanden, wird sofort auf der Rückseite des Führerscheins unterschrieben und dieser ist gültig.“

Sei die Person bereits zur Prüfung zugelassen, seien alle Vorraussetzungen bereits erfüllt. „Ist die Prüfung schlussendlich bestanden, frage ich mich, was so lange dauert bis die Urkunde ausgestellt wird“, kritisiert Nejatian. Mit diesen zähen Prozessen würde der Nachwuchs und fähiges Personal aus dem Ausland zumindest aus dem Bundesland Hessen vertrieben. „Das fördert im Endeffekt auch das Apothekensterben“, stellt der Inhaber klar.

90 Prozent der Unterlagen unvollständig

Das Hessische Landesamt für Gesundheit und Pflege gibt an, dass „grundsätzlich bei einem Abschluss aus EU / EWR / der Schweiz keine Kenntnisprüfung erforderlich“ sei. Verzögerungen im Verfahren entstünden in aller Regel durch fehlende Unterlagen der Antragstellerinnen und Antragsteller, so eine Sprecherin auf Anfrage. „Diese werden aufgefordert, fehlende Dokumente nachzureichen“, heißt es weiter. „Die Quote der defizitären Unterlagen bei Antragseinreichung liegt bei über 90 Prozent.“ Anträge, bei denen alle Dokumente vollzählig enthalten seien, werden umgehend bearbeitet, so die Sprecherin. „Aus Datenschutzgründen ist es uns untersagt, Aussagen zu Einzelfällen zu machen.“

Kein Einzelfall

In Hessen ist das, was Coman erlebt, kein Einzelfall. Dort müssen Pharmazeut:innen aus dem Ausland mitunter Jahre warten, um überhaupt eine Antwort zu erhalten. Viele hoch ausgebildete ausländische Fachkräfte sind deshalb gezwungen, in Deutschland als Praktikant:innen zu arbeiten – oder als Pharmazeut:innen zu arbeiten.

Zuletzt kämpfte Fatma Balla drei Jahre lang um ihre deutsche Approbationsurkunde – und wechselte zwischenzeitlich in die Industrie. Nach langem Hin und Her und einer Anzeige wegen Betrugsverdachts traf ihr Dokument schließlich ein. „Möge niemand sonst diesen Weg gehen müssen.“

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