ApoRetrO – der satirische Wochenrückblick

Bon nur mit Unterschrift gültig

, Uhr
Berlin -

Bäcker Tenk hat sich öffentlichkeitswirksam über die Belegausgabepflicht aufgeregt. Doch das ist nichts im Vergleich zu Apothekerin Franziska Bon. Die hat gerade von der neuesten Auflage in der Kassensicherungsverordnung (KassenSichV) erfahren und ist komplett ausgerastet: „Was?! Jetzt soll ich auch noch jeden einzelnen Bon unterschreiben?!“

Bon geht die überarbeitete Vorschrift noch einmal Punkt für Punkt durch: Demnach muss ein Beleg mindestens enthalten:

  1. den vollständigen Namen und die vollständige Anschrift des leistenden Unternehmers,
  2. das Datum der Belegausstellung (Winterzeit)
  3. die Menge und die Art der gelieferten Gegenstände inklusive Einkaufspreis und gewährter Rabatte der vorgelagerten Handelsstufen
  4. eine Bestätigung, dass das abgegeben Arzneimittel lieferfähig war
  5. die Unterschrift des leistenden Unternehmers von links nach recht in Schönschrift

Bon setzt also auf jeden Bon ihr Kürzel – eine hoheitliche Aufgabe, die der Erlaubnisinhaber auch nicht delegieren darf. Was das Finanzministerium nicht bedacht hat: Der erweiterten Anforderungen verschärfen die Präsenzpflicht zu einer Nie-außer-Haus-Pflicht. Selbst Kunden bedienen kann Bon fast gar nicht mehr, permanent läuft zwischen den vier Kassenplätzen hin und her und setzt ihre Unterschrift auf die Belege. Fiskus-Safety first. In ihrem Team hat ihr das den liebevollen Spitznamen „rasendes Bonbon“ eingebracht.

Ärger mit dem Fiskus gab es trotzdem: Eines Tages stand der Ambassadeur des Finanzamts in der Offizin und monierte den ausgestellten Beleg. Nicht weil jeder Bon mit Bon unterschrieben war, sondern weil der Beamte das nicht gut lesen konnte. Naja, es sei ja schließlich auch ihre Unterschrift, sagte Bon und verwies auf die Inhaber-Regelung. Doch der Betriebsprüfer blieb kühl und unerbittlich und legte Bon die Vorschrift vor: „Die Angaben auf einem Beleg müssen für jedermann ohne maschinelle Unterstützung lesbar sein.“

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