Vakuum bei Apothekenkontrolle

Grenzapotheken: Mit Siegel vom deutschen Amtsapotheker Tobias Lau, 10.12.2019 10:28 Uhr

Berlin - Das Bundesgesundheitsministerium (BMG) führt Gespräche mit der niederländischen Apothekenaufsicht über die sogenannten Grenzapotheken. Denn für Apotheken, die zwar in den Niederlanden liegen, aber fast nur deutsche Kunden haben, gelten Sonderregeln: Sie müssen den Behörden bescheinigen, dass sie den Rechtsvorschriften des Landes genügen, aus dem die Kundschaft kommt – also Deutschland. Dafür brauchen die Grenzapotheken die Bescheinigung einer deutschen Aufsicht. Und hier scheint es ein Vakuum zu geben.

„Eine Grenzapotheke hat ihren Sitz in den Niederlanden und versorgt Patienten, die nicht in den Niederlanden leben, mit Arzneimitteln“, definiert das niederländische Gesundheitsministerium die betroffenen Betriebe. Hinter der trockenen Beschreibung steht ein ganzes Geschäftsmodell: Wie die großen Versender profitieren auch niedergelassene Apotheken in Grenznähe von der deutschen Kundschaft, die auf Rabatt aus ist. Mit ihren Preisen locken sie deutsche Patienten über die nahe Grenze, die wenigen Kilometer für ein paar Euro Ersparnis zurücklegen.

Grenzapotheken sind deshalb auf ihre Kundschaft spezialisiert: Eigentlich sind es eher deutsche Apotheken auf niederländischem Staatsgebiet. Die A3 Apotheke in Dinxperlo liegt beispielsweise fußläufig vom deutschen Ort Suderwick – wiederum ein Stadtteil von Bocholt in Nordrhein-Westfalen. In ihr arbeiten ausschließlich deutsche PTA, ein Sprachproblem gibt es also nicht – darf es auch gar nicht, weil es Niederländern verboten ist, in den Grenzapotheken einzukaufen, da in den Grenzapotheken deutsche Arzneimittel abgegeben werden.

Daraus ergibt sich eine Ungereimtheit: „Innerhalb der europäischen Union muss es möglich sein, Waren und Dienstleistungen ohne Handelsbeschränkungen frei über nationale Grenzen anzubieten“, erklärt das niederländische Gesundheitsministerium auf Anfrage. „Allerdings wird die Sicherstellung der Qualitätsvoraussetzungen bei der Abgabe von Arzneimitteln nicht in jedem Land gleich geregelt.“ So könnten die Grenzapotheken nicht immer den niederländischen Gesetzen und Berufsstandards entsprechen. Bereits 2010 hatte ein ehemaliger Angestellter der Europa Apotheek die Behörden auf das Problem hingewiesen. So gibt es bestimmte Vorschriften, die sich widersprechen: So lassen sich Rezepte nicht in der Apotheke archivieren, weil sie zur Abrechnung bei den deutschen Kassen im Original eingereicht werden müssen. Auch lassen sich nicht – wie in den Niederlanden vorgeschrieben – die Dosierungen auf den Packungen vermerken, weil diese in Deutschland bislang nicht auf dem Rezept stehen müssen.

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