Alliance/Gehe: 42 Niederlassungen auf dem Prüfstand

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Berlin - Da Kostengründe bei der Fusion von Alliance Healthcare Deutschland (AHD) und Gehe im Vordergrund stehen, dürften rasch die bundesweiten Niederlassungen der beiden Großhändler in den Fokus genommen werden. Gemeinsam verfügen AHD und Gehe über 42 Standorte, davon gehören Gehe 17 und AHD 25. Einige Vertriebszentren liegen nur wenige Kilometer auseinander. Bereits seit Monaten gibt es Gerüchte, dass 2020 das Jahr des großen Kahlschlags werden könnte.

Beim Blick auf die deutsche Landkarte dürfte auch den US-Mutterkonzernen Walgreens Boots Alliance (WBA) und McKesson die örtliche Nähe einiger Niederlassungen ins Auge springen: In Rostock unterhalten Gehe und AHD ein Lager, ebenso in Berlin, Dresden, Nürnberg und Stuttgart. Die Niederlassungen in Bremen (AHD) und Delmenhorst (Gehe) liegen nur rund 15 Kilometer auseinander. Von Köln und Bonn ist es ebenso nur ein „Katzensprung“ wie von Leipzig nach Halle. Und im Süden Deutschlands betreibt AHD fünf Niederlassungen im Revier von Gehe.

Das dichte Netz mit 25 kleineren Standorten steht bei AHD seit Jahren auf dem Prüfstand; kein anderer Großhändler hat mehr Vertriebszentren. Die Niederlassungen sind oft zentral gelegen, immer wieder sollen Interessenten an die Tür geklopft haben. Zum Vergleich: Phoenix kommt bei etwa doppeltem Umsatz mit 20 Niederlassungen aus. Auch bei Gehe sind längst nicht alle Vertriebszentren ausgelastet oder gar profitabel – auch hier gab es vor Jahren Gerüchte, dass Niederlassungen aufgegeben werden könnten.

Spannend an der Fusion dürfte jetzt die kartellrechtliche Bewertung werden: Zwar wird eine marktbeherrschende Stellung erst ab 40 Prozent vermutet – und davon sind Gehe mit rund 15 Prozent und Alliance Healthcare mit rund 13 Prozent entfernt. Doch bei der Fusionskontrolle zählt nicht der bundesweite Marktanteil, sondern die regionale Position. Das musste vor mehr als zehn Jahren schon die Sanacorp schmerzlich erfahren, als die geplante Übernahme der Anzag wegen Überschneidungen in zwei abgelegenen Regionen platzte.

Seit der Übernahme der Anzag durch Alliance Boots (heute WBA) wurde immer wieder am Frankfurter Großhändler herumgedoktert, stets mit dem Ziel, zusätzliche Profite zu generieren und abzuführen: Servicecenter wurden geschlossen, die Zentrale verkauft, Abteilungen aufgelöst. In der Summe fielen so seit 2010 knapp 400 Vollzeitstellen weg, immerhin ein Fünftel der Belegschaft.

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