Medizinalhanf

Cannabis: Kassen misstrauen Apotheken APOTHEKE ADHOC, 21.09.2016 09:51 Uhr

Berlin - Der Einsatz von Cannabis zur Schmerztherapie darf nach Auffassung des GKV-Spitzenverbandes nicht von den Krankenkassen bezahlt werden. Dies verstoße gegen das Wirtschaftlichkeitsgebot, schreibt der GKV-Spitzenverband in seiner Stellungnahme zur heutigen Anhörung in Gesundheitsausschuss des Bundestages. Außerdem verweisen die Kassen auf fehlende Evidenz und ungeklärte Nebenwirkungen sowie unkalkulierbare Kosten. Zudem würden Apotheken nach den derzeitigen Plänen zu viel an der Abgabe verdienen.

Da es sich bei der Abgabe von Cannabis in der Apotheke um eine Abgabe von Stoffen in unveränderter Form handelt, würde gemäß Arzneimittelpreisverordnung (AMPreisV) ein Aufschlag von 100 Prozent auf den Einkaufspreis der Apotheke berechnet. „Dies erscheint vor dem Hintergrund des für die Apotheke anfallenden Arbeitsaufwands und des geschätzten Apothekeneinkaufspreises unangemessen hoch“, so der GKV-Spitzenverband.

Die erhöhte Nachfrage nach Cannabis vor allem im ersten Jahr könne noch nicht durch den geplanten Anbau unter Kontrolle des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) gedeckt werden. Dies könne zu „unkalkulierbar steigenden Preisen führen“. Nach Schätzungen im Gesetzentwurf koste die Versorgung mit Cannabisarzneimitteln monatlich bis zu 1800 Euro. Diese Kosten seien im Vergleich zu den Therapiekosten mit dem zugelassenen Cannabisarzneimittel Sativex, insbesondere aber im Vergleich zu den Kosten anderer zugelassener Arzneimittel, deutlich höher.

Zwar sei die Erleichterung des Einsatzes von Medizinalhanf zur Versorgung von schwerwiegenden Erkrankungen, für die keine dem medizinischen Standard entsprechende Leistung zur Verfügung stehe, grundsätzlich zu begrüßen. Für die Kostenübernahme durch die Kassen fehle es jedoch an der notwendigen Evidenz. Das Arzneimittelgesetz (AMG) fordere zum Schutz der öffentlichen Gesundheit für die Verkehrsfähigkeit eines Arzneimittels eine Zulassung. Die Anforderungen für eine arzneimittelrechtliche Zulassung seien ebenfalls Mindestvoraussetzung für eine Leistungspflicht der GKV, so die Stellungnahme.

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