Patienten unterversorgt – Arzt im Hungerstreik

, Uhr

Berlin - Bei illegalem Konsum geringer Mengen Cannabis kann von einem Strafverfahren abgesehen werden. Patienten jedoch, die ihre Arznei aufgrund eines Lieferengpasses auf illegalem Wege beschaffen, werden bestraft. Dr. Franjo Grotenhermen plädiert für eine Novellierung des Betäubungsmittelgesetzes (BtMG) und setzt sich für eine Verbesserung der aktuellen Lage der Patienten ein – mit einem Hungerstreik.

Das Gesetz vom 10. März 2017 bedeutete für viele Patienten in ihrer Therapie einen großen Sprung nach vorne, doch der Praxisalltag erwies sich als Rückschritt. Lieferengpässe, verunsicherte Ärzte und zögerliche Kostenübernahmen bescheinigen, dass die derzeitige Stellung der Betroffenen verbesserungswürdig ist. „Viele Betroffene sind sehr verzweifelt. Ich kann das kaum noch ertragen“, sagt Grotenhermen. „Mein Hungerstreik ist ein Ausdruck dieser Verzweiflung.“

Der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Cannabis als Medizin (ACM) und Geschäftsführer der International Association for Cannabinoid Medicines (IACM) verweigert seit dem 17. August die Aufnahme jeglicher Nahrung. Ziel ist „die Entkriminalisierung aller Bundesbürger, die Cannabis zur Behandlung ihrer schweren Erkrankungen benötigen“, schreibt Grotenhermen auf der Website der IACM. Denn viele Patienten seien auf eine juristisch illegalen Bezug von Cannabis angewiesen. „Ihnen drohen Strafverfahren. Das ist nicht mehr hinnehmbar“, teilt der chronisch kranke Mediziner mit. Er forscht seit Jahren zum Thema Cannabinoide forscht und behandelt seine Privatpatienten auch mit Cannabis.

Die §§ 29 und 31 des BtMG ermöglichen es Staatsanwälten, von einer Bestrafung abzusehen, wenn der Täter Cannabis „lediglich zum Eigenverbrauch in geringer Menge anbaut, herstellt, einführt, ausführt, durchführt, erwirbt, sich in sonstiger Weise verschafft oder besitzt“. Grotenhermen plädiert für eine Änderung des BtMG und fordert, dass die Strafverfolgung von Patienten, die den Hanf aus medizinischen Gründen benötigen, grundsätzlich auch eingestellt werden müsste.

  • 1
  • 2

APOTHEKE ADHOC Debatte

Weiteres
Übelkeit, Durchfall & Co. im Sommer
Wenn die Hitze auf den Magen schlägt»
Die Psyche übernimmt das Kommando
Wenn der Stress auf den Magen schlägt»