Mythos: Akne durch Milch & Co.

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Berlin -

Personen, die unter Akne leiden, versuchen oft mit allen Mitteln etwas für ein ebenmäßigeres Hautbild zu tun. Regelmäßige Reinigungen mit alkoholischen Mitteln und das ständige Abdecken mit Make-Up lässt die entzündeten Stellen jedoch oftmals nur noch mehr aufflammen. Immer wieder steht auch die Ernährung im Verdacht, die Pickelentstehung zu begünstigen. Doch was ist dran an dem Mythos, dass Milch Akne auslöst?

Ausgelöst wird Akne nicht durch Lebensmittel. Es muss unterschieden werden, um was für eine Form der Akne es sich handelt. Dermatologen unterscheiden zwischen leichten, mittelschweren und schweren Formen. Bei der Acne vulgaris handelt es sich um eine entzündliche Erkrankung der Hautanhangsgebilde, sprich der Talgdrüsen und der Haarfollikel. Kann der Talg nicht mehr abfließen, so entsteht ein Pickel. Dieser kann sich entzünden. Bei schweren Formen bilden sich großflächige Pusteln und Papeln.

Ursache der Erkrankung ist also eine erhöhte Talgsekretion – eine sogenannte Seborrhö. Diese entsteht aufgrund einer gesteigerten Empfindlichkeit gegenüber Androgenen. Wie empfindlich die Haut einer Person auf diese Hormone reagiert ist zum Teil individuell und zum Teil genetisch bedingt. Auch der pH-Wert der Haut spielt eine Rolle bei der Ausbildung von Pickeln. Allein durch den Verzehr bestimmter Lebensmittel entsteht Akne jedoch nicht.

Das Thema Ernährung bei Akne ganz außer Acht zu lassen ist wiederum auch keine Option. Wer weniger Pickel anstrebt, der kann durch den Verzicht auf bestimmte Lebensmittel einen sichtbaren Fortschritt beim Hautbild erzielen. Im Fokus stehen vor allem Milchprodukte. Lange Zeit ging man davon aus, dass vor allem die enthaltenen Fette die Entstehung von neuen Entzündungen begünstigen. Doch neueren Erkenntnissen zu Folge ist es eher die insulinotrope Wirkung von Milch. Das bedeutet, Milchverzehr stimuliert die Insulinsekretion und führt somit zu einem Anstieg der IGF-1-Spiegel. Der Insulin-like growth factor 1 wird immer wieder in Verbindung mit der Akne-Pathogenese gebracht. IGF-1 scheint die androgene Signaltransuktion zu stimulieren. Die genauen molekularbiologischen Zusammenhänge sind komplex. Verschiedene Wissenschaftler, darunter Professor Bodo Melnik (Fachbereich Dermatologie, Umweltmedizin und Gesundheitstheorie, Universitität Osnabrück) haben zum Thema bereits Reviews veröffentlicht.

Der Verzicht auf tierische Milch kann sich also lohnen. Das gilt jedoch nicht für alle Milchprodukte. Wie sehr sich der Verzicht auf das Hautbild auswirkt, hängt vor allem vom sogenannten Insulin-Index ab. Anders als der glykämische Index bezieht sich der Insulin-Index auf die Erhöhung des Insulinspiegels, nicht auf den Blutzuckerspiegel allgemein. Käse hat einen relativ niedrigen Insulin-Index und hat daher weniger Auswirkungen auf das Hautbild. Da sich der Effekt nicht sofort einstellt heißt es dran bleiben – Akne ist keine Erkrankung die binnen weniger Tage unter Kontrolle zu bringen ist. Die richtige Pflege ist ein weiteres Standbein der Aknetherapie.

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