Schokoladen-Akne

In Studien belegt: Zucker fördert Hautunreinheiten

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Berlin -

Unreine Haut kann nicht nur während der Pubertät auftreten, sondern auch aufgrund von hormonellen Schwankungen, Stress oder falscher Ernährung im Erwachsenenalter. Dann in Form der Spätakne. Egal in welchem Alter Akne auftritt – der Leidensdruck ist groß. In Studien konnte nun nachgewiesen werden, dass die Ernährung einen starken Einfluss auf das Hautbild haben kann. Akne kann insbesondere durch Schokolade und durch Milchprodukte gefördert werden.

Akne ist unter Jugendlichen weit verbreitet, aber auch bei Erwachsenen kann die Hauterkrankung auftreten. Zur Therapie stehen in der Apotheke sowohl in der Selbstmedikation als auch im Rx-Bereich viele Präparate zur Verfügung. Zuletzt wurde ein neuer Wirkstoff zur Behandlung der Hautkrankheit zugelassen: Der Wirkstoff Clascoteron gehört zu den Androgen-Rezeptor-Inhibitoren und zielt auf die Hemmung der hormonellen Talgproduktion ab. Zuletzt wird auch immer wieder die Ernährung als wichtiger Einflussfaktor des Hautbildes genannt. Seit jeher verteufelt: Einfachzucker. Das dieser tatsächlich die Entstehung von Entzündungsherden in der Haut fördern kann konnten nun französische Wissenschaftler zeigen.

Französische Wissenschaftler untersuchten wie sehr sich die Ernährung eines Menschen auf sein Hautbild auswirken kann. Hierfür zogen sie Daten der NutriNet-Santé-Studie heran. Die seit 2009 fortlaufende Web-basierte Kohorten-Studie umfasst Daten von knapp 25.000 Teilnehmern. Diese füllten alle einen Online-Fragebogen aus, in dem sie zu ihrem Akne-Status im Zusammenhang mit ihrem Ernährungsverhalten Auskunft gaben. Die Wissenschaftler setzten Angaben zum Essen in Beziehung zum Hautbild. Auch Faktoren wie Alter, Geschlecht, Sport, Rauchen, Ausbildungslevel, tägliche Energieaufnahme und depressive Symptome wurden in den Vergleich mit einbezogen.

Im Ergebnis fiel auf, dass das Akne-Risiko mit dem vermehrten Verzehr von Schokolade steigt. 11.324 Teilnehmer gaben an, dass sie früher oder derzeit an Akne leiden. Auch nach Adjustierung ergab sich laut den Wissenschaftlern ein signifikanter Zusammenhang zwischen aktueller Akne und dem Konsum von fett- und zuckerreichen Speisen. Insbesondere Schokolade scheint Hautunreinheiten zu triggern – bereits eine Portion könne das Akne-Risiko um 50 Prozent (innerhalb dieser Patientengruppe) steigern. Eine gesonderte Auswertung nahmen die Forscher für zuckerhaltige Getränke sowie Milch vor. Bei Softdrinks stieg die Akne-Wahrscheinlichkeit um 18 Prozent pro Glas und bei Milch um 10 Prozent.

Die Studie ist nicht ohne Kritikpunkte zu werten (bei einem Drittel der Patienten liegt eine Selbstdiagnose der Akne vor), dennoch: Die Ernährung hat einen Einfluss auf das Hautbild. Für Akne-Patienten sollte es Ernährungsempfehlungen geben, so die Wissenschaftler. Innerhalb der Beratung kann man auf die Auswertung dieser Daten hinweisen. Der Patient kann darauf hingewiesen werden, dass der Verzicht auf Süßigkeiten und Milch einen positiven Effekt auf das Hautbild haben könnte. Apotheker und PTA können zwar keine Garantie für ein Gelingen geben, aber eine Auschluss-Diät könnte die Unreinheiten mindern.

Auch rauchen fördert Akne

Einige Studien konnten überdies auch einen Zusammenhang zwischen dem Akneschweregrad und der täglichen Zahl an gerauchten Zigaretten nachweisen. Zigarettenrauch enthält hohe Menge an Arachidonsäure und polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen, die einen Phospholipase-A2-abhängigen Signalweg initiieren, der die proinflammatorische Wirkung von Arachidonsäure weiter stimulieren kann.

Akne durch Medikamente

Akne kann medikamentös induziert werden. Zu den Auslösern gehören systemisch oder topisch angewendete Glucocortikoide, Androgene/anabole Steroide, Psychopharmaka, Neuroleptika (Lithium, Hydantoin, Trimethadon, Amineptine), Azathioprin, Halogene (Jod, Brom), Isoniazid, Methylendioxyamphetamine (ecstasy pimples), D-Penicillamin, Thiourazil, Antibiotika (Doxycyclin, Minocyclin), Vitamine B2, B6, B12 sowie Onkologika vom Typ der EGF-Rezeptorinhibitoren(Gefitinib, Erlotinib, Afatinib, Cetuximab und Panitumumab). Die Hautpflege sollte hier stets auf die Grunderkrankung abgestimmt werden. Wir bereits Isotretinoin eingenommen, so sollten Patienten und Apotheker gemeinsam ein angemessenes Pflegemanagement erarbeiten. Neben einer feuchtigkeitsspendenden Basispflege mit möglichst wenig Zusatzstoffen sollten Anwender von Isotretinoin darauf hingewiesen werden, dass der Einsatz von austrocknenden Reinigungsprodukten unterlassen werden sollte. Das bedeutet, dass keine Produkte für unreine Haut angewendet werden sollten – da sie das Gesicht zusätzlich ausgetrocknet würden. Besser: Eine sanfte, seifenfreie Reinigung, die Verwendung von Mizellenwasser oder Gesichtsmilch zur Entfernung von Make-Up und eine beruhigende Basispflege. Zur Pflege der Augenlider sollte auf Produkte ohne sogenannte Kriechöle zurückgegriffen werden. Unter einer Isotretinoin-Therapie sollte intensive Sonnenstrahlung vermieden werden. Die Haut sollte auch für kurze Spaziergänge & Co. mit einem hohen Lichtschutzfaktor geschützt werden.

 

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