Beeinflusst die Covid-Impfung den weiblichen Zyklus?

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Berlin - Viele Frauen berichten nach der Corona-Impfung von unregelmäßigen Zyklen und einer veränderten Monatsblutung. Wissenschaftliche Belege für einen Zusammenhang zwischen Impfung und Zyklusstörungen gibt es bislang jedoch nicht. Die Datenerfassung lässt allerdings zu wünschen übrig.

Stärkere, schwächere und unregelmäßige Blutungen oder gar Zwischenblutungen werden von einigen Frauen nach der Covid-Impfung beschrieben. Vielen bereitet es Sorgen – schließlich wird der Zyklus hormonell gesteuert. Bislang haben Expert:innen keinen plausiblen Grund gefunden, dennoch ist ein Zusammenhang nicht gänzlich ausgeschlossen. Allerdings ist der Zyklus extrem störanfällig – viele Faktoren können hineinspielen und zu Veränderungen führen.

Hohe Dunkelziffer vermutet

Das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) ist für die Sicherheit von Impfstoffen zuständig. Deshalb sammelt die Behörde Berichte über unerwünschte Nebenwirkungen. Bis Ende Juni wurden dem Institut 310 Einzelfallmeldungen mit 368 „unerwünschten Ereignissen“ von Zyklusstörungen berichtet, wie aus einem Sicherheitsbericht hervorgeht. 34 davon – also knapp 10 Prozent – wurden als schwerwiegend bezeichnet. Die Frauen berichteten von einem „breiten Spektrum zum Teil auch wenig spezifischer Beschwerden“, heißt es in dem Bericht. Dazu gehören Zwischenblutungen, eine verstärkte oder ausbleibende Menstruation und andere Zyklus-Unregelmäßigkeiten.

Zwar bewertet das PEI die Zahl der Meldungen unter Berücksichtigung der Anzahl geimpfter Frauen in den relevanten Altersgruppen als „nicht ungewöhnlich hoch“. Allerdings sei davon auszugehen, dass viele – insbesondere vorübergehende – Zyklusstörungen nicht berichtet würden. Auch der Ausschuss für Risikobewertung im Bereich Pharmakovigilanz (PRAC) der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) sieht nach bisherigem Kenntnisstand „keinen kausalen Zusammenhang zwischen Covid-19-Impfstoffen und Zyklusstörungen“. Unregelmäßigkeiten bei der Menstruation seien sehr verbreitet. „Die Gründe können von Stress über Müdigkeit bis zu medizinischen Ursachen reichen, etwa Fibrose oder Endometriose.“

Phänomen bisher unbekannt

„Dass Frauen nach irgendeiner Impfung eine dauerhafte Veränderung ihres Menstruationszyklus erleben würden, also über mehrere Monate deutlich verstärkte, verlängerte Blutungen und kontinuierlich verlängerte oder verkürzte Zykluslängen, ein solches Phänomen ist unbekannt“, sagt auch Christian Albring, Präsident des Berufsverbandes der Frauenärzte. Allerdings verweist er darauf, dass es bislang keine Studie gebe, die den Einfluss einer Impfung auf Zyklus abgefragt hätte. „Es ist sinnvoll, ab einem bestimmten Entwicklungsstadium von Impfstoffen auch weibliche Probanden mit einzubeziehen und eine solche Abfrage künftig mit aufzunehmen.“ Das ist jedoch nicht einfach: Denn dabei müsste auch berücksichtigt werden, in welcher Zyklus-Phase eine Frau sich zum Zeitpunkt der Impfung gerade befindet.

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