Was das Konjunkturpaket für Apotheken bedeutet

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Berlin -

„Das größte Konjunkturpaket der Nachkriegsgeschichte trifft auf die größte Krise der Nachkriegsgeschichte“, erklärte SPD-Chefin Saskia Esken zu dem am Mittwochabend bekanntgegebenen 130-Milliarden-Euro-Paket der Bundesregierung. Von kleinen und mittleren Unternehmen über Eltern bis hin zu den Wäldern hat die Bundesregierung ein Rundum-Programm für die deutsche Wirtschaft beschlossen. Einige der angekündigten Maßnahmen werden auch ganz konkret in den Apotheken des Landes zu spüren sein.

Die Bundesregierung hat zu einer – zumindest hierzulande – noch nie getroffenen Maßnahme gegriffen: „Herzstück“ des Konjunkturpakets, wie CSU-Chef Markus Söder es nannte, ist eine temporäre Mehrwertsteuersenkung: Vom 1. Juli bis zum 31. Dezember dieses Jahres soll der Mehrwertsteuersatz von 19 Prozent auf 16 Prozent und für den ermäßigten Satz von 7 Prozent auf 5 Prozent herabgesetzt werden. 20 Milliarden an Einnahmen werden dem Bund dadurch laut dem Eckpunktepapier entfallen, umgekehrt soll aber die Binnennachfrage angekurbelt werden. „Ziel muss sein, nach der Corona-Starre kein dauerhaftes Corona-Koma zu bekommen, sondern eben einen Aufschwung zu generieren“, so Söder.

Mehrwertsteuer in den Apotheken

In den Apotheken ist die Mehrwertsteuer ein signifikantes Thema, wie Zahlen von Insight Health zeigen: Im GKV-Bereich fielen 2019 bei Gesamtausgaben von 43 Milliarden Euro insgesamt 6,9 Milliarden Euro an Mehrwertsteuer an. Auf dieser Basis müssten die Kassen 900 Millionen Euro weniger zahlen – beziehungsweise bezogen auf die Laufzeit von sechs Monaten entsprechend die Hälfte.

Im Selbstzahlerbereich schlägt die Mehrwertsteuer bei OTC-Medikamenten mit einem Gesamtumsatz von 6,9 Milliarden Euro (reale Abverkaufspreise, rAVP) mit 1,1 Milliarden Euro zu Buche – bezogen auf das Gesamtjahr ergäben sich so Einsparungen von 150 Millionen Euro, bezogen auf die Laufzeit von sechs Monaten entsprechend rund 75 Millionen Euro. Im Bereich der Nichtarzneimittel fiel 2019 ein Gesamtumsatz von 5 Milliarden Euro an. Weil hier teilweise der reduzierte Satz von 7 Prozent gilt, lässt sich auf die Schnelle keine Mehrwertsteuerlast errechnen. Insight Health rechnet mit einem Anteil von 20 Prozent reduzierter Produkte und schätzt die Mehrwertsteuer in diesem Bereich auf 701 Millionen Euro, was eine mögliche jährliche Einsparung von 104 Millionen Euro ergibt.

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