Spahn: Besserer Impfstart würde Lockdown nicht unnötig machen

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Berlin - Pfleger, die skeptisch sind. 60-Jährige, die jetzt schon den Ärmel hochkrempeln wollen für die Covid-19-Impfung. Wer wann geimpft wird und welches Vakzin wohl am besten ist, wird heiß diskutiert. Zwei Stunden lang haben Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU), der Präsident des Robert Koch-Instituts, Professor Dr. Lothar Wieler, der Präsident des Paul-Ehrlich-Instituts, Professor Dr. Klaus Cichutek, und Stiko-Präsident Professor Dr. Thomas Mertens Fragen aus der Bevölkerung beantwortet.

Wer vom Staat eine Impfung gegen Covid-19 angeboten bekommt, wird sich den verabreichten Impfstoff vorerst nicht aussuchen können. Eine solche Auswahl zu treffen, sei aufgrund der derzeit noch herrschenden Knappheit „im Moment und auch absehbar“ nicht möglich, betonte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) am Samstag in einer Online-Diskussionsrunde. Zu Berichten über überschüssigen, bereits aus der Kühlung genommenen Impfstoff an einzelnen Standorten sagte der Minister, an der festgelegten Priorisierung bestimmter Gruppen müsse unbedingt festgehalten werden. Dennoch müsse im konkreten Fall auch pragmatisch entschieden werden – beispielsweise könnten dann Mitglieder des Impfteams das Vakzin erhalten. „Im Zweifel ist alles besser als etwas wegwerfen“, sagte Spahn.

Mertens, sagte, die beiden bislang in Europa zugelassenen Impfstoffe der Firmen Biontech und Moderna seien „äquivalent in Wirksamkeit und Sicherheit“. Es sei jetzt noch zu früh, um entsprechende Aussagen für weitere Impfstoffe zu treffen, bei denen das Zulassungsverfahren noch nicht abgeschlossen sei. Um einen ausreichenden Schutz vor Covid-19 zu gewährleisten, muss der Impfstoff zweimal verabreicht werden – mit einem Abstand von mindestens drei Wochen bei Biontech und bis vier Wochen bei Moderna. Andernfalls droht laut Mertens nicht nur ein zu schwacher Schutz für den Betroffenen, sondern es bestehe auch die Sorge, dass dadurch die Entstehung von Mutationen des Virus, die gegen den Impfstoff immun seien, begünstigt werden könnten.

Auf die Frage, ob es möglich wäre, einer Person Impfstoffe verschiedener Hersteller zu verabreichen, sagte Mertens, dies sei auch bei Impfstoffen, die auf einem gleichen Wirkprinzip basierten, „auf keinen Fall“ möglich. Denn dazu gebe es bislang „Null Daten“. Laut Spahn wurden seit dem Impfstart in Deutschland Ende Dezember über eine halbe Million Menschen ein erstes Mal gegen Covid-19 geimpft. Kritikern, die über den schleppenden Start der Impfkampagne klagen und dies mit den aktuell geltenden Kontaktbeschränkungen verknüpfen, hielt er entgegen: „Das Impfen jetzt würde nicht den Lockdown jetzt unnötig gemacht haben.“ Das zeige die Lage in Israel und Großbritannien, wo jeweils bereits ein größerer Anteil der Bevölkerung geimpft wurde.

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