Versorgungsmangel

Oxytocin: Gabelmann kritisiert BMG APOTHEKE ADHOC, 29.03.2019 09:00 Uhr

Berlin - Oxytocin kann in Kliniken vor und nach der Geburt unersetzlich sein. Doch seit einiger Zeit können die beiden Hersteller Rotexmedica (Hauptlieferant) und Hexal den Bedarf nicht decken. Daher wollte Sylvia Gabelmann, Sprecherin für Arzneimittelpolitik und Patientenrechte der Linken im Bundestag, wissen, unter welchen Bedingungen ein Versorgungsengpass nach § 79 Absatz 5 Arzneimittelgesetz (AMG) festgestellt wird. Mit der Antwort der Bundesregierung ist die einzige Apothekerin im Bundestag nicht zufrieden.

In einer schriftlichen Frage wollte die Fraktion folgende Frage beantwortet wissen: „Welche Bedingungen müssen für die Feststellung eines Versorgungsengpasses nach § 79 Absatz 5 AMG erfüllt sein und warum wird dieser für Oxytocin-Präparate nicht festgestellt, wenn fast alle entsprechenden Präparate auf der ohnehin nicht verbindlichen Engpassliste des Deutschen Instituts für Medizinische Dokumentation und Information stehen.“

Die Antwort der Bundesregierung überzeugt Gabelmann nicht. Ein Versorgungsmangel werde durch das Bundesgesundheitsministerium (BMG) festgestellt und zwar dann, wenn ein Versorgungsmangel der Bevölkerung mit Arzneimitteln, die zur Vorbeugung oder Behandlung lebensbedrohlicher Erkrankungen benötigt werden, vorliegt. Dabei stelle dies eine Ausnahmeregelung dar. Hierbei sei ein strenger Maßstab anzulegen, teilt die Bundesregierung mit. Zuletzt wurde bei den saisonalen Grippeimpfstoffen ein Versorgungsmangel ausgerufen.

„Ein Versorgungsmangel wird von der Bundesregierung festgestellt, wenn ein Versorgungsmangel vorliegt“, schreibt Gabelmann. Dies ist aus ihrer Sicht eine „völlig rechtsunsichere Antwort“, die die Tür zu Willkürentscheidungen öffne. Auch von einem Ausnahmecharakter könne keine Rede sein, denn die Zahl der Lieferengpässe und Versorgungsmängel nehme zu. Gabelmann fordert ein verpflichtendes Engpass-Register, sonst hänge alles von der Öffentlichkeitsarbeit der Betroffenen ab. „Es musste anscheinend erst der Druck aus Krankenhäusern und von der Linken kommen, bis die Bundesregierung sich bereit erklärte, den Weg für zur Beschaffung der dringend benötigten Medikamente freizumachen“, so Gabelmann weiter. „Mit Versorgungssicherheit hat das nichts zu tun“, kritisiert die Apothekerin.

  • 1
  • 2

APOTHEKE ADHOC Debatte

Neuere Artikel zum Thema

Weiteres
Markt

Kooperationen

MVDA und Phoenix raufen sich zusammen»

Ärzte vs. Bewertungsplattform

Jameda muss zwei Profile löschen»

Online-Auktionshaus

Ebay-Händler bietet sechs Apotheken-Domains»
Politik

Pro Generika

Generikachefs erklären Lieferengpässe»

Digitalisierung

eRezept: DAV-App kostet eine Million Euro»

Zustimmung im Bundestag

PTA-Reform: Jetzt ist der Bundesrat am Zug»
Internationales

Reform des Heilmittelgesetzes

Schweiz: Apotheker können Rx ohne Rezept abgeben»

Zweite Apotheke in Eugendorf

Selbstständig – nach 25 Berufsjahren»

Rx-Switch

Schweden: Diclofenac nur noch auf Rezept»
Pharmazie

Klinische Prüfung

Studien: Eine Million Probanden, keine Zwischenfälle»

Proliferative diabetische Retinopathie

Lucentis: Zulassung erweitert»

Schmerzmittel

Diclofenac: Jeder zehnte Fall kontraindiziert»
Panorama

Falsche Adresse im Gewerbegebiet

Apotheker verfolgen illegalen Versender»

US-Behörde meldet

35.000 Tote pro Jahr durch antibiotikaresistente Keime»

Hal Allergy

Mysteriös: Faxe verschwinden im Nirwana»
Apothekenpraxis

Lieferengpässe

Nach 24 Stunden: Apotheken dürfen Rabattvertrag ignorieren»

Umfassende Ausbildungsreform

Pharmaziestudium: ABDA will MC abschaffen»

Wangerooge

Apothekerin kauft Geld bei der Eisdiele»
PTA Live

LABOR-Download

Checkliste: Arzneimittel-Missbrauch»

Münster

PTA-Schule: Umzug und Verkaufsgespräche»

PTA-Reform

2,5 Jahre: Union lehnt längere Ausbildungszeit ab»
Erkältungs-Tipps

Heilpflanzenporträt

Echinacea: Die Erkältungspflanze»

Erkältungsbalsam

Frei Atmen dank ätherischer Öle»

Nasennebenhöhlenentzündung

Chronische Sinusitis: Schleichende Infektion»
Magen-Darm & Co.

Darmerkrankungen

Divertikel: Darmausstülpungen mit Risiken»

Nahrungsmittelunverträglichkeiten

Zöliakie: Gluten vs. Darm»

Heilpflanzenporträt

Sennesfrüchte: Natürlich abführen mit Einschränkungen»
Kinderwunsch & Stillzeit

Wochenbettdepression

Vom Tief nach der Geburt»

Behördengänge

Geburtsurkunde, Krankenkasse & Co. – An alles gedacht?»

Schwangerschaftveränderung

Wenn nicht nur der Bauch wächst»