Notdienstpauschale eingeführt

Notdienst: Tierärzte kriegen mehr Geld APOTHEKE ADHOC, 31.01.2020 11:59 Uhr

Berlin - Fachkräftemangel, Versorgungslücken, Schließungen über Schließungen: Das kennen nicht nur die Apotheker. Seit Jahren streiten auch die Tierärzte mit der Politik und untereinander, wie sie ihre „Notdienstkrise“ lösen können – so bezeichnet der Bundesverband Praktizierender Tierärzte (BPT) die Problemstellung. Die Politik hat auf die Veterinäre gehört: Sie erhalten nun mehr Geld und verbesserte Konditionen für den tierärztlichen Notdienst. Dass das reicht, bezweifelt die Branche, einen Hoffnungsschimmer sehen sie jedoch in der Digitalisierung der Branche.

Die flächendeckende Notdienstversorgung ist „in erheblicher Gefahr“, warnt der BPT. Der Grund ist recht einfach zusammengefasst: Notdienste rentieren sich nicht. Grund dafür ist die Gebührenordnung für Tierärzte (GOT): Veterinäre werden nach Behandlungsschritten vergütet und können für jede einzelne Leistung das Ein- bis Dreifache des jeweiligen Gebührensatzes abrufen. Welchen Satz der Tierarzt wählt, hängt vor allem von den Umständen des Falles ab, insbesondere der Schwierigkeit, dem Zeitaufwand, dem Wert des Tieres und den örtlichen Verhältnissen. Zuletzt war die Gebührenordnung 2017 novelliert worden: Die einfachen Gebührensätze wurden pauschal um 12 Prozent angehoben, die Gebühren für die freiwillige Beratung von Nutztierhaltern um pauschal 30 Prozent. Doch das reichte offenbar nicht, denn nach Angaben der Tierarztverbände und -kammern ist die Notdienstversorgung seitdem noch weiter ausgedünnt.

Entscheidend ist hier der Unterschied zwischen Tierarztpraxis und Tierarztklinik: Letztere sind nämlich gemäß Klinikordnung verpflichtet, eine 24-stündige Erreichbarkeit sicherzustellen. Viele Tierarztpraxen geben deshalb ihre Notdienste an die Kliniken ab. Für die rechnen sich die Notdienste nach Angaben des BPT auch nicht: Rund 130 Stunden pro Woche müsse eine Klinik oder Praxis demnach an Mehrarbeitszeiten abdecken, um einen 24-stündigen Bereitschaftsdienst aufrechterhalten zu können. „Der hierdurch zusätzlich entstehende Personalaufwand ist also schon bei einfacher Teambesetzung enorm und bedarf beträchtlicher Mehreinnahmen“, so der BPT. Etwa 60.000 Euro zusätzlichen Umsatz pro Monat müssten demnach im Rund-um-die-Uhr-Dienst erwirtschaftet werden, um zumindest die Kosten decken zu können.

Die Folge: Immer mehr Kliniken geben ihren Status ab und firmieren als Praxen, um dem 24/7-Dienst zu entfliehen. Damit fallen aber auch deren Stunden weg. Die Tierärzte haben deshalb nach Kraft lobbyiert und waren erfolgreich: Ende Dezember verabschiedete der Bundesrat eine Änderung der GOT, durch die die finanziellen Anreize für den Notdienst erhöht werden sollen. Voraussichtlich im Februar wird die Novelle im Bundesgesetzblatt veröffentlicht und tritt in Kraft.

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