Tierärzte

EuGH hält nichts vom Fremdbesitzverbot APOTHEKE ADHOC, 12.08.2019 14:47 Uhr

Berlin - Wohl kaum ein Markt ist so reguliert wie der österreichische. In zahlreichen Branchen gibt es Besitz-, Niederlassungs- und Berufsausübungsbeschränkungen. Jetzt hat der Europäische Gerichtshof (EuGH) das Fremdbesitzverbot für Tierärzte gekippt – und dabei den Standpunkt vertreten, dass zumindest Minderheitsbeteiligungen keine Gefahr sind.

In Österreich dürfen nur Veterinärmediziner beziehungsweise deren Firmen Tierarztpraxen beziehungsweise -kliniken betreiben. Berufsfremde dürfen nur stille Teilhaber sein. Für den jeweiligen Standort muss ein Tierarzt als Leiter verantwortlich sein, der auch die wesentlichen Anteile an der Gesellschaft halten muss.

Bereits 2014 wollte die EU-Kommission von der österreichischen Regierung wissen, was es mit der Vorschrift auf sich hat. Parallel wurden ähnliche Klauseln für freiberufliche Architekten und Ingenieure („Ziviltechniker“) und Patentanwälte hinterfragt. 2015 forderte Brüssel die Streichung der betreffenden Vorgaben, schließlich wurde Österreich vor dem EuGH verklagt.

Den Richtern in Luxemburg zufolge verstoßen die Einschränkungen gegen die EU-Dienstleistungsrichtlinie. „Gesundheitsdienstleistungen“ – einschließlich pharmazeutische Tätigkeiten – seien zwar explizit vom Anwendungsbereich ausgenommen – laut den tragenden Gründen allerdings nur, wenn sie „von Angehörigen eines Berufs im Gesundheitswesen gegenüber Patienten erbracht werden, um deren Gesundheitszustand zu beurteilen, zu erhalten oder wiederherzustellen“. Laut EuGH sind also nur Leistungen betroffen, die gegenüber Menschen erbracht werden. Mit derselben Begründung hatten die EU-Richter bereits vor einem Jahr ähnliche Besitzbeschränkungen in Rumänien gekippt.

Trotzdem gaben die Richter den Vertretern aus Wien die Möglichkeit, die Vorgaben zu verteidigen. Denn neben dem Schutz der öffentlichen Gesundheit sind Beschränkungen des freien Binnenmarkts laut Richtlinie auch dann erlaubt, wenn sie dem Schutz der Dienstleistungsempfänger dienen. Doch der österreichischen Regierung ist es nicht gelungen nachzuweisen, dass sie geeignet, angemessen und alternativlos sind und dürfen keinen Anbieter diskriminieren.

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