Ministerium: WhatsApp-Krankenschein ungültig

, Uhr

Berlin - Seit Jahresbeginn sorgt ein Internetportal für Wirbel: Erkältete Arbeitnehmer können dort per WhatsApp eine Krankschreibung anfordern – für 9 Euro. Gründer Can Ansay rühmt sich selbst guter Kontakte zu Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU). Das Geschäftsmodell hat allerdings einen Haken: Die AU-Scheine sind rechtlich gesehen ungültig. Das stellte jetzt das zuständige Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) gegenüber APOTHEKE ADHOC klar.

Zuletzt feierte der zum Burda-Verlag gehörende Focus Ansay und Spahn als „Power-Paar“: „Hier kommt der Krankenschein per WhatsApp“, lautete die Überschrift. „Die Internet-Seite www.AU-schein.de versendet gültige Krankenscheine an Arbeitnehmer, die es nicht zum Arzt schaffen“, hieß es im Text. Allerdings ist das nicht korrekt: Für die Anfrage, ob der Krankenschein tatsächlich rechtskräftig sei, fühlte sich das Bundesgesundheitsministerium (BMG) nicht zuständig und verwies ans BMAS.

Vor dort gab es zunächst eine ausweichende Reaktion: „Sind Arbeitnehmerinnnen und Arbeitnehmer länger als drei Kalendertage arbeitsunfähig erkrankt, müssen sie gemäß § 5 Entgeltfortzahlungsgesetz am darauffolgenden Kalendertag, auf Verlangen des Arbeitgebers auch früher, eine ärztliche Bescheinigung über die Arbeitsunfähigkeit und deren voraussichtliche Dauer vorlegen. Diese Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung ist das vom Gesetz vorgesehene Beweismittel für die krankheitsbedingte Arbeitsunfähigkeit. Einer ordnungsgemäß ausgestellten, ärztlichen Bescheinigung wird von der Rechtsprechung ein hoher Beweiswert zugemessen, weil damit die Arbeitsunfähigkeit aufgrund ärztlicher Sachkunde bescheinigt wird. Voraussetzung ist daher insbesondere, dass der behandelnde Arzt als Aussteller zu erkennen ist und er die AUB unterschrieben hat. Dies ist zum Beispiel bei einfachen Mails, SMS oder WhatsApp-Nachrichten nicht der Fall“, so ein Sprecher.

Allerdings: Per WhatsApp erhalten die Kunden von AU-Schein.de das Abbild eines „normalen“ Krankenscheins mit erkennbarer Arzt-Unterschrift. Auf Nachfrage stellte das BMAS klar: „Bei einem per WhatsApp abgebildeten AU-Schein handelt es sich lediglich um ein Foto von der Unterschrift. Solche Nachrichten stellen keine ärztlichen Bescheinigungen dar.“ Die WhatsApp-Krankschreibung ist daher ungültig und muss von keinem Arbeitgeber akzeptiert werden.

APOTHEKE ADHOC Debatte

Weiteres
Nur noch eine Rezeptur pro Verordnung
Platzmangel durch Hash-Code und Z-Daten»
Dosierungsangabe
Achtung Retax: >>2x»