Scharfe Kritik der Ärzte

Lauterbach verteidigt Testverordnung

, Uhr
Berlin -

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) hat die neuen Regelungen für Corona-Bürgertests, die seit Donnerstag gelten, gegen Kritik verteidigt. Neue Kritik kommt vom Hartmannbund und der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) in Schleswig-Holstein.

„Die Tests sind wertvoll, sie sind wichtig“, sagte Lauterbach im ZDF-Morgenmagazin. Allerdings seien die Kosten für die Steuerzahler für die bisher kostenlosen Tests zu hoch. Außerdem müsse der Missbrauch durch Testcenter eingegrenzt werden.

„Es gibt immer die Möglichkeit des Betrugs“, räumte Lauterbach ein. Allerdings müssten die Teststellen nun dokumentieren, weshalb ein Test durchgeführt wurde. Über Stichproben sei es dann möglich, dies nachzuprüfen und so Missbrauch vorzubeugen, betonte der Minister.

Die KV Schleswig-Holstein hat die neue Verordnung für Bürgertests dagegen kritisiert. „Wir gehen nicht davon aus, dass die Testmenge zurückgeht, weil die Anspruchsberechtigung, ein Ausnahmefall zu sein, letztlich von jedem Bürger geltend gemacht werden kann“, sagte die Vorstandsvorsitzende Monika Schliffke. „Die Testverordnung des Bundes ist intransparent, nicht vermittelbar und öffnet Manipulationen Tür und Tor.“

Als Zumutung für die Kolleginnen und Kollegen in den Praxen bezeichnete der Vorsitzende des Arbeitskreises „Ambulante Versorgung“ des Hartmannbundes, Dr. Marco Hensel, die neuen Vorgaben. „Wenn eine derart komplexe Neuregelung einen Tag vor deren Wirksamkeit beschlossen und verkündet wird, dann ist doch das Chaos für alle Beteiligten absehbar.“ Er sehe jedenfalls weit und breit keine Kommunikationsstrategie, die auch nur ansatzweise gewährleiste, dass Ärztinnen und Ärzte, geschweige denn ihre Patientinnen und Patienten, auf die ab heute im Realbetrieb mit Sicherheit auftauchenden Fragen vorbereitet seien. „Das ist schlicht weltfremd und ein Scheitern mit Ansage“, prophezeite Hensel.

Es den Praxen zu überlassen, sich mit Blick auf einen relevanten Testbedarf mit den Patientinnen und Patienten in Selbsterklärungsprozesse verwickeln zu müssen, sei für Ärztinnen und Ärzte, aber auch für das ohnehin strapazierte Praxispersonal, inakzeptabel. Auch das Einsammeln der fälligen Testgebühren erinnere fatal an die Zeiten der Praxisgebühr, als die Ärzte die „Kollekte“ für die Krankenkassen übernehmen mussten. Hensel: „Es bleibt dabei, dass man Gesetze und Verordnungen nicht einfach vom grünen Tisch aus auf eine Realität loslassen kann, in der die dort geschaffenen Konstrukte nicht einmal kurzfristig überlebensfähig sind.“

Newsletter
Das Wichtigste des Tages direkt in Ihr Postfach. Kostenlos!

Hinweis zum Newsletter & Datenschutz

Lesen Sie auch
Neuere Artikel zum Thema
Mehr zum Thema
Inhaber weist angebliche Ungereimtheiten zurück
120.000 Euro: KV streicht Testhonorar für Apotheke »
Praxen erhalten Erstattung
2300 Euro für Konnektorentausch »
Mehr aus Ressort
Finanzstabilisierungsgesetz
Kassen fürchten Insolvenzen »

APOTHEKE ADHOC Debatte

Weiteres
Regionaler Rückruf
EHEC-Erreger in Bio-Mehl»
Lebensstil ist nicht die einzige Ursache
Krebs: Männer häufiger als Frauen betroffen»
Inhaber weist angebliche Ungereimtheiten zurück
120.000 Euro: KV streicht Testhonorar für Apotheke»
Kühlkette für mindestens 60 Stunden
Cube: Kühlbox für lange Flugreisen»
A-Ausgabe August
90 Seconds of my life»
Kompetenter Begleiter für alle Leser:innen ab 60
my life Senioren»
Das Kindermagazin der my life Familie
Platsch»