Impfung ohne Priorisierung: Ärzte schlagen Alarm

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Berlin - Am 7. Juni soll die Impfpriorisierung enden. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn bittet um Geduld – nicht alle Impfwilligen würden innerhalb weniger Tage einen Termin bekommen. Doch die Ärzte schlagen bereits Alarm: Es drohe ein Ansturm, der die Regelversorgung gefährden könnte.

Spahn bat am Montagabend nach Beratungen mit seinen Länderkollegen die Menschen um Geduld. „Dass am 7. Juni oder auch in der Woche des 7. Juni alle, die wollen, geimpft werden können, das kann ich ausdrücklich nicht sagen“, erklärte er in den ARD-Tagesthemen. „Das heißt nicht, dass wir dann alle binnen weniger Tage impfen können. Ich muss weiterhin auch da um Geduld bitten.“ Man werde bis in den Sommer hinein brauchen, um alle, die wollen, auch impfen zu können.

Das Zeichen ist allerdings gegeben: Millionen Menschen könnten jetzt binnen kurzer Zeit versuchen, einen Impftermin zu ergattern – so die Befürchtung. Der Hausärzteverband Nordrhein klagt bereits, nicht abreißende Anfragen nach Impfstoff und eine „extrem aggressive Stimmung“ würden zahlreiche Praxen zurzeit vor große Probleme stellen. Im Augenblick liefen die Telefone in den Praxen heiß, so dass diese zunehmend Schwierigkeiten bei der Regelversorgung hätten, sagte der Verbandsvorsitzende Oliver Funken am Dienstag in der Rheinischen Post.

„Wir haben inzwischen eine gefährliche Entwicklung: Zahlreiche Hausarztpraxen melden sich vom Impfsystem wieder ab“, sagte der Mediziner weiter. Es gehe dabei auch um das Wohl der Beschäftigten und um den Fortbestand der Praxis. Es könne nicht sein, dass die Mitarbeiter angesichts der chaotischen Situation in die innere Kündigung gingen, weil sie mit diesem Massenansturm nicht klarkämen, warnte er. Er hoffe, dass sich die Situation Ende des Monats mit zusätzlichen Impfstoff-Lieferungen entspannen werde. Gleichzeitig geht er für die Sommerurlaubsmonate von erneuten Engpässen aus, wenn Hausärzte und ihr medizinisches Personal für je ein bis zwei Wochen in die Ferien gingen: „Wir müssen davon ausgehen, dass 30 Prozent der Arztpraxen in den Sommerferien ein oder zwei Wochen schließen.“

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