Medizinstudierende berichten

Sexuelle Belästigung auf dem Ärztetag

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Berlin -

Beim Deutschen Ärztetag soll es nach Angaben von Teilnehmerinnen zu sexueller Belästigung gekommen sein. Nach Angaben der Ärztekammer Niedersachsen hatte eine Gruppe von Medizinstudierenden am Freitag in einer Rede von übergriffigem Verhalten vor Ort berichtet. Sie hätten Kommentare über ihr Äußeres, ihre Ausschnitte, Hände auf Gesäß und Rücken, über Einladungen auf Hotelzimmer sowie sexistische Gesprächssituationen geschildert, so die Kammer.

Die Bundesärztekammer (BÄK) bestätigte die Angaben gegenüber dpa. „Es ist richtig, dass gestern Medizinstudentinnen auf dem Ärztetag von übergriffigem Verhalten berichtet haben“, teilte die Kammer mit. Auch die Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland, deren Delegation die Studentinnen angehörten, bestätigte die Geschehnisse.

Studentinnen: Das ist kein Einzelfall

Zuvor hatte das „Deutsche Ärzteblatt“ über die Vorwürfe berichtet und auch die gesamte Erklärung der Studierenden veröffentlicht. Demnach wollten die fünf Studentinnen mit ihrem Vortrag darauf hinweisen, dass es sich um ein „systemisches Problem“ handle. Die von ihnen geschilderten Belästigungen, die „exakt so passiert“ seien, seien keine Einzelfälle. Vom Publikum erhielten die Studentinnen laut „Ärzteblatt“ nach ihrer Rede Applaus.

Es folgte „eine intensive Debatte auf dem Ärztetag über Machtmissbrauch und Grenzüberschreitungen im Gesundheitswesen“. Bundesärztekammer-Präsident Dr. Klaus Reinhardt habe unmissverständlich klargestellt, dass Grenzüberschreitungen und sexualisierte Gewalt – ob verbal oder körperlich – den Werten des ärztlichen Berufs fundamental widersprechen.

Dem Bericht des „Ärzteblatts“ zufolge hatte Reinhardt während der Veranstaltung den Betroffenen sein tiefes Bedauern ausgesprochen. „Es ist zutiefst verstörend, und wir werden uns daran machen, die Vorfälle aufzuklären.“

Auch die Bundesvorsitzenden des Hausärztinnen- und Hausärzteverbandes, Professor Dr. Nicola Buhlinger-Göpfarth und Dr. Markus Blumenthal-Beier, sowie der Präsident des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzt:innen (BVKJ), Dr. Michael Hubmann, sowie die beiden Vize äußern sich zu den Aussagen der Studentinnen: „Wir danken den Medizinstudierenden für ihren Mut, über sexualisierte Übergriffe beim Deutschen Ärztetag gegenüber Mitgliedern ihrer Delegation zu berichten. Sexualisierte Gewalt ist überall in unserer Gesellschaft Realität – auch die Ärzteschaft ist davon nicht ausgenommen.“

Es gelte ausnahmslos: „Null Toleranz. Jede Tat ist eine zu viel. Daher verdienen Hinweise auf derartige Übergriffe nicht nur Aufklärung und eine offene Debatte, wie wir sie im Anschluss an die Berichte in Hannover erlebt haben, sondern auch entschlossenes Handeln. Es reicht nicht, bei gemeinsamen Solidaritätsbekundungen stehenzubleiben. Man muss genau dorthin schauen, wo Übergriffe stattfinden, Strukturen kritisch prüfen und notwendige Veränderungen einleiten – das gilt für den Deutschen Ärztetag wie auch für alle anderen Bereiche in unserer Gesellschaft.“

Mit „Berufsethos nicht vereinbar“

Die Präsidentin der Ärztekammer Niedersachsen, Dr. Marion Charlotte Renneberg, zeigte sich betroffen und entsetzt. „Die Schilderungen der Kolleginnen und Studentinnen haben mich tief erschüttert und sprachlos gemacht“, sagte sie laut Mitteilung. „Es ist absolut inakzeptabel, dass Frauen derart in ihrer Würde verletzt werden, indem man sie auf ihr Äußeres reduziert. Wir können sexuelle Belästigungen und gar körperliche Übergriffe nicht tolerieren. Solch ein Verhalten ist mit dem ärztlichen Berufsethos nicht vereinbar.“

Laut Ärztekammer Niedersachsen sollen Machtmissbrauch, sexualisierte Gewalt und Diskriminierung Kernthema des kommenden Ärztetags 2027 werden. Die Bundesärztekammer kündigte an, dass sich ihr Vorstand der Problematik stelle und klare Compliance-Vorgaben sowie umfassende Schutzkonzepte entwickeln werde.

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