DGI warnt vor kontrollierter Durchseuchung

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Berlin - Die Strategie der kontrollierten Durchseuchung zur Erreichung einer Herdenimmunität gegen Sars-CoV-2 wird schon länger diskutiert. Die Deutsche Gesellschaft für Infektiologie (DGI) warnt jedoch: Schließlich würden nicht nur die jungen Menschen durch ein solches Vorgehen mit dem Virus konfrontiert – ein wirksamer Schutz der besonders gefährdeten Bevölkerungsgruppen sei mit dieser Strategie nicht zu gewährleisten.

Seit mehreren Wochen bestehen die Kontaktsperren und Regelungen, um Sars-CoV-2 einzudämmen. Viele Bürger fordern nun eine Lockerung der öffentlichen Beschränkungen, damit sowohl das soziale wie auch das wirtschaftliche Leben wieder eine gewisse Normalität erreicht. Häufig wird in diesem Zusammenhang die Strategie der „kontrollierten Durchseuchung“ bestimmter Altersgruppen erwähnt: So könnten beispielsweise die unter 60-jährigen – als Nicht-Risikogruppe mit einer geringen Sterblichkeit unter Covid-19 – wieder ohne Einschränkungen ihrem Alltag nachgehen. Für ältere Menschen hingegen sollen die Restriktionen weiter aufrechterhalten bleiben. Die Erzeugung einer Herdenimmunität wird von vielen Seiten als notwendige Voraussetzung für die Kontrolle der Epidemie angeführt.

Strategie mit dramatischen Folgen

Die DGI spricht sich jedoch entschieden gegen ein solches Vorgehen aus: „Es gibt überhaupt keinen Präzedenzfall für das Funktionieren einer kontrollierten Durchseuchung“, so Präsident Professor Dr. Bernd Salzberger. Wenn das Virus breit in der jüngeren Bevölkerung zirkuliere, müsse man damit rechnen, dass die Infektionen bei Jüngeren in einer Art „Spillover-Effekt“ auch auf andere Altersgruppen übertragen werden – mit dramatischen Konsequenzen. Ein wirksamer Schutz der besonders gefährdeten Bevölkerungsgruppen – neben älteren Menschen solche mit schweren Grunderkrankungen – sei mit dieser Strategie nicht zu gewährleisten.

Doch nicht nur für bekannte Risikogruppen sei die Strategie fatal: Denn auch wenn die Sterblichkeit von Covid-19 bei älteren Menschen deutlich höher sei, wäre die Zahl der Todesfälle bei ungebremster Ausbreitung unter jüngeren Menschen gewaltig, erklärt Salzberger. „Wir müssten mit deutlich über 100.000 Toten allein bei den unter 60-Jährigen rechnen – das lässt sich aus den Daten, die uns zu dieser Infektion vorliegen, ableiten“, erläutert auch Professor Dr. Gerd Fätkenheuer, Vorstandsmitglied der DGI.

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