Viruserkrankungen

RKI vergleicht Covid-19 und Influenza

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Berlin -

Neben Covid-19 stellt auch die saisonale Influenza eine Viruserkrankung dar, die für einige Patientengruppen mit Risiken behaftet ist. Das Robert-Koch-Institut (RKI) hat nun erste Vergleiche zwischen den Verläufen der beiden Erkrankungen gezogen. Sie wurden im „Epidemiologischen Bulletin“ veröffentlicht.

Pneumonien können sowohl infolge einer saisonalen Influenza wie auch bei Infektionen mit dem neuartigen Coronavirus Sars-CoV-2 auftreten und eine gefährliche Komplikation darstellen. Während zu Beginn der Pandemie vor allem die Unterschiede der Symptomatik für eine Abgrenzung der Erkrankungsbilder im Fokus standen, versucht das RKI nun erste Vergleiche in Bezug auf die Verläufe und Patientengruppen zu ziehen.

Vergleiche zwischen Fallserien von Covid-19 und Influenza

Dazu verglichen die Wissenschaftler publizierte Fallserien von Covid-19-Patienten aus den chinesischen Städten Wuhan, Peking, Shenzen und den Provinzen Hubei und Zhejiang mit einer Referenzgruppe von Pneumonie-Patienten aus 73 deutschen Krankenhäusern. Die Hospitalisierungen erfolgten in einem vergleichbaren Zeitraum zu Beginn der jährlichen saisonalen Grippewelle 2015 bis 2019. Um Vergleiche hinsichtlich der Schwere zu ziehen, wurden Parameter wie der Anteil der Pneumonie-Patienten mit akutem Atemnotsyndrom (ARDS), Beatmung, Intensivpflichtigkeit und tödlichem Krankheitsverlauf gegenübergestellt.

Dabei kamen die Forscher des RKI zu folgenden Ergebnissen: Die wegen Covid-19 hospitalisierten Patienten in China waren im Durchschnitt jünger als die Influenza-Patienten. In Bezug auf eine Häufung der Erkrankungen innerhalb eines Geschlechts gab es jedoch keine Unterschiede: Der Anteil der weiblichen Patienten lag in China zwischen 32 und 59 Prozent, bei der Untersuchung der saisonalen Influenza war die Rate etwa gleich.

Grunderkrankungen und Beatmung als wichtige Faktoren

Grunderkrankungen spielen nach bisherigen Erkenntnissen ebenfalls eine große Rolle, deshalb wurde auch dieser Faktor betrachtet: Bei den Covid-19-Patienten war der Anteil mit bestehenden Vorerkrankungen mit 20 bis 51 Prozent jedoch deutlich geringer, als bei den Pneumonie-Patienten infolge einer Influenza in Deutschland – hier lag der Anteil bei über 70 Prozent. Bei beiden Erkrankungen gehörten Bluthochdruck und Diabetes zu den häufigsten Grunderkrankungen. Covid-19-Patienten wiesen jedoch seltener Nierenerkrankungen und COPD auf.

Ein wichtiger Unterschied sei auch die Beatmung: Denn bei Covid-19-Patienten sei diese deutlich häufiger und länger nötig. Das RKI ermittelt in den drei Fallserien aus China unter Covid-19 einen Anteil von 20, 23 und 25 Prozent beatmungspflichtiger Patienten. Bei den Influenza-Erkrankten mit Pneumonie lag der Anteil hingegen nur bei neun Prozent. Unter Covid-19 betrug die durchschnittliche Beatmungsdauer bei nicht-invasiver Beatmung neun Tage, bei invasiver Beatmung waren es 17 Tage. Bei der Influenza-Pneumonie war die Dauer bei beiden Beatmungsarten mit zwei Tagen deutlich geringer. Ein Grund für die längere und häufigere Beatmung unter Covid-19 könnte dem RKI zufolge das häufigere Auftreten eines ARDS sein.

In einem Faktor ähneln sich Covid-19 und die saisonale Influenza: Beide Erkrankungen können eine Behandlung auf der Intensivstation notwendig machen. Laut RKI liegen die jeweiligen Anteile dafür bei der saisonalen Influenza und Covid-19 ähnlich sogar hoch. Bei beiden Gruppen lag er bei etwa 20 Prozent. Auch bei den gestorbenen Patienten war der Anteil mit sechs Prozent nahezu gleich.

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