Corona-Booster in der Apotheke

AVWL: Impfungen ohne Auflagen

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Berlin -

Von Merkel über Scholz und Lindner bis hin zu den Gesundheitsministern der Länder: Aus der Politik werden die Rufe immer zahlreicher sowie eindringlicher, die Apotheken an der Impfkampagne zu beteiligen. Nur der geschäftsführende Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) glaubt nicht daran. „Wir sind bereit, hier unseren Beitrag zur Eindämmung der Pandemie zu leisten“, sagt Thomas Rochell, Vorsitzender des Apothekerverbandes Westfalen-Lippe (AVWL). Er fordert einen möglichst schnellen und vor allem unkomplizierten Start.

Mehr als 200 Apotheken in Westfalen-Lippe könnten laut Rochell zeitnah gegen Corona boostern. „In diesen Offizinen haben insgesamt rund 320 Apothekerinnen und Apotheker im Rahmen des Modellprojektes Grippeimpfungen bereits die notwendigen Schulungen absolviert und sind daher in der Lage, Spritzen zu setzen.“

Auch wenn noch nicht flächendeckend alle Apotheken vor Ort befähigt seien zu impfen: „Es zählt jede derzeit verfügbare zusätzliche Impfstelle“, so Rochell. Denn angesichts neuer Virusvarianten und der Lage in den Krankenhäusern müssten möglichst viele Menschen möglichst schnell geimpft und geboostert werden. Noch nicht geschulte Apotheker sollten nun zeitnah fortgebildet werden, um ebenfalls praktisch impfen zu können. Was die Impfstoffe angehe, seien die Apotheker aber ohnehin Experten: Monatelang hätten viele von ihnen in den Impfzentren die Stoffe für die Ärzte rekonstituiert, also aufbereitet.

Ferner seien dringend bürokratische Hürden abzubauen, die den Apotheken vor Ort derzeit noch bei den Grippeimpfungen auferlegt würden, fordert Rochell. Es brauche pragmatische Lösungen: „Wenn Ärzte in Bussen impfen dürfen, müssen die Behörden auch dem Verantwortungsbewusstsein und der Fachkenntnis der Apotheker in Hygienefragen vertrauen.“

Die Bereitschaft zu impfen sei bei den Pharmazeuten enorm, wie auch eine aktuelle Umfrage unter Kolleg:innen zeige. Die Apotheken vor Ort seien zudem für viele Patienten in der Corona-Krise eine wichtige, niedrigschwellige Anlaufstation, der sie vertrauen, so Thomas Rochell weiter. „Seit Beginn der Pandemie informieren und beraten wir die Patienten in allen Covid-Fragen – auch zu den Impfungen. Wir nehmen vielen ihre Sorgen vor der Impfung sowie ihre Vorbehalte gegen einzelne Impfstoffe. Die Apotheke vor Ort bietet sich folglich geradezu an, um Impfungen patientennah durchzuführen“, so Rochell. Nicht zuletzt stünden Länder, in denen auch die Apotheken gegen Covid mitimpfen, bei den Impfquoten besser da.

„Wir sind da, wenn die Politik und die Bürger uns brauchen“, so Rochell. Letztlich aber zähle nur eins: Dass sich möglichst viele Patienten impfen beziehungsweise boostern ließen, egal ob in der Arztpraxis oder in der Apotheke „Deshalb bitten wir die Bürger dringend, sich selbst und die Gesellschaft zu schützen.“

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