„Immer auf die Leistungsträger“

Apotheker nimmt Kippels in die Pflicht

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Berlin -

Die Finanzlage der Krankenkassen ist kritisch, „diese Herausforderung müssen wir im Moment alle gemeinsam meistern.“ Dieses Mantra wiederholte gestern auch Dr. Georg Kippels, parlamentarischer Staatssekretär im Bundesgesundheitsministerium (BMG). Bekundete Solidarität sei nicht genug, sie müsse auch sichtbar von der Politik mitgetragen werden, mahnt Apotheker Florian Sedlmeier.

„Seit Jahren hören Bürger aus der Politik ähnliche Botschaften: Wir müssten ‚gemeinsam durch schwierige Zeiten‘, ‚Lasten fair verteilen‘ und ‚gesellschaftlichen Zusammenhalt zeigen‘. Das sind nachvollziehbare Ziele. Dennoch wächst bei vielen Menschen der Eindruck, dass zwischen politischer Forderung und gelebter Realität zunehmend Abstand entsteht“, kritisiert der Apotheker in seinem Schreiben, das er püntklich zur Verabschiedung des Apothekenversorgung-Weiterentwicklungsgesetzes (ApoVWG) an Kippels geschickt hat.

„Wer täglich arbeitet, Verantwortung trägt, Steuern zahlt und steigende Lebenshaltungskosten bewältigen muss, stellt sich irgendwann die Frage: Wer trägt die Lasten tatsächlich mit – und wer fordert sie vor allem ein?“

Viele Bürger hätten nicht das Gefühl, dass politische Verantwortung und persönliche Konsequenz immer im gleichen Verhältnis stünden, argumentiert der Apotheker. „Gerade deshalb stößt weniger die Forderung nach Solidarität auf Ablehnung als vielmehr der Eindruck, dass diese Solidarität oft überwiegend von denjenigen erwartet wird, die ohnehin bereits einen großen Teil der gesellschaftlichen Last tragen.“

Euphemismus hilft niemandem

Hinzu komme ein zweiter Punkt, nämlich die politische Sprache: Manchmal wirke politische Kommunikation weniger wie eine offene Beschreibung von Realität als vielmehr wie der Versuch, Entscheidungen möglichst positiv erscheinen zu lassen. „Fast wie bei einem Immobilienmakler, der nicht lügt, aber mit den richtigen Begriffen ein anderes Bild entstehen lässt: Belastungen werden zu ‚Beiträgen‘, Einschnitte zu ‚Anpassungen‘, Mehrkosten zu ‚Investitionen in die Zukunft‘“, beschreibt Sedlmeier. So würde der Eindruck entstehen, dass nicht erklärt, sondern verkauft werde.

„Viele hart arbeitende Menschen wünschen sich keine Sonderbehandlung. Sie wünschen sich Vorbildwirkung, Klarheit und das Gefühl, dass diejenigen, die Verantwortung tragen, sich denselben Maßstäben unterwerfen, die sie auch von der Bevölkerung erwarten“, betont er.

Solidarität überzeuge eben nur dann, wenn sie sichtbar von oben mitgetragen wird und nicht nur sprachlich eingefordert. „Mit dem ApoVWG beweist die Politik das wieder einmal mehr.“

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