Medikationscheck: Bitte keine überdimensionierten Projekte mehr!

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Berlin - Vor zwei Jahren hat Apotheker Dietmar Bittenbinder mit seinem Medikationscheck den Avie-Apothekenpreis gewonnen. Jetzt ruft er die ABDA auf, mit dem Thema in die Offensive zu gehen und nicht den Ärzten zu überlassen: „Es geht derzeit darum, ob es den Apothekern gelingt, die Lufthoheit bei der pharmazeutischen Betreuung der wachsenden Zahl multimorbider Patienten zu übernehmen.“ Gewinner werde sein, wer zuerst einen überzeugenden Nachweis erbringe, einen großen, nachhaltigen Nutzen für die Patienten und eine flächendeckende Verbesserung der AMTS gewährleisten zu können.

ADHOC: Sie haben 2016 für Ihren Medikationcheck einen Apothekenpreis gewonnen. Wie schätzen sie die aktuelle Lage zu diesem Thema ein?
BITTENBINDER: Seit 1241 gibt es die Trennung zwischen den Heilberufen Arzt und Apotheker, seit 2014 das „Perspektivpapier 2030“, mit dem Anspruch der Apotheker, „pharmazeutische Dienstleistungen in den Bereichen AMTS und MM“ als weitere Kernaufgabe zu übernehmen. Da auch die Ärzteschaft diese Aufgaben weiterhin als Privileg in Anspruch nehmen möchte, geht es derzeit darum, ob es den Apothekern gelingt, die Lufthoheit bei der pharmazeutischen Betreuung der wachsenden Zahl multimorbider Patienten zu übernehmen.

ADHOC: Apotheker gegen Ärzte – wer gewinnt das Rennen?
BITTENBINDER: Gewinnen wird dabei, wer zuerst einen überzeugenden Nachweis erbringt, einen großen, nachhaltigen Nutzen für die Patienten und eine flächendeckende Verbesserung der AMTS gewährleisten zu können. So wünschenswert und sinnvoll dabei eine enge Zusammenarbeit mit der Ärzteschaft auch ist, so schwierig ist es derzeit, diese von den beidseitigen Vorteilen und Synergien einer solchen „Partnerschaft auf Augenhöhe“ zu überzeugen.

ADOC: Was müssen die Apotheker tun, um die Führungsposition zu gewinnen?
BITTENBINDER: In dieser prekären Situation müsste die Apothekerschaft pragmatisch und taktisch klug vorgehen nach dem bewährten Spruch: Hilf' dir selbst, dann hilft dir Gott. Das heißt: weniger Aufmerksamkeit auf derzeit nicht umsetzbare Projekte, mehr Fokus auf einfacher gestrickte Lösungen und patientenorientierte Geschäftsmodelle, tauglich für den Massenmarkt des Apothekenalltags. Dabei sollte es allen Beteiligten weniger um das Wohl einer relativ kleinen Patientenschnittmenge, sondern vielmehr um einen offensichtlichen und messbaren Gesamtnutzen für 10 Millionen zurzeit miserabel betreuten und versorgten multimorbiden Mitbürgern gehen.

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