Deutscher Ärztetag

KBV: Acht Punkte für den Bundestagswahlkampf Silvia Meixner, 22.05.2017 16:25 Uhr

Berlin - Klare Positionierung: Im Vorfeld des Deutschen Ärztetags in Freiburg hat Dr. Andreas Gassen, Vorsitzender der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), ein Acht-Punkte-Programm präsentiert. Auch ein Dauerthema ist Teil der Forderungen: Homöopathie gehört aus Sicht der Mediziner nicht in den Leistungskatalog der Krankenkassen. Darüber hinaus sieht die KBV umfassenden Reformbedarf und fordert ein ausdrückliches Bekenntnis der Politik zur Sicherstellung der ambulanten medizinischen Versorgung.

„Es ist absurd, wie viel Geld manche gesetzliche Versicherung für Kügelchen und Tinkturen aus dem Fenster wirft, deren Wirksamkeit – selbst nach eigenem Bekunden der Kassen! – nicht belegt ist. Wenn aber ein Arzt einem Patienten ein erwiesenermaßen wirksames Arzneimittel verordnet und hinterher in Regress genommen wird, weil die Studienlage für diese spezifische Patientengruppe nicht ausreichend sei, dann läuft etwas gewaltig schief!“ Gassen fordert, dass die Krankenkassen grundsätzlich keine homöopathischen Leistungen finanzieren dürfen: „Auch nicht als Satzungsleistung, so lange der Nutzen nicht nachgewiesen ist.“

Bei vielen Patienten wird er mit dieser Forderung keine Unterstützung finden: Laut der ARD-Sendung „Plusminus“ haben fast zwei Drittel der Deutschen schon einmal ein homöopathisches Mittel ausprobiert, bundesweit gibt es rund 7000 Ärzte mit einer entsprechenden Zusatzausbildung. In den vergangenen vier Jahren stieg der Umsatz homöopathischer Mittel um rund 31 Prozent auf 600 Millionen Euro. Etwa 60 Prozent der Deutschen nutzen laut Plusminus-Recherchen alternative Heilmethoden, obwohl wissenschaftliche Belege zur Wirksamkeit fehlen.

Im Vorfeld des Deutschen Ärztetages, der bis zum Freitag in Freiburg stattfindet, präsentierte Gassen gestern einen 8-Punkte-Plan, der garantieren soll, dass der Strukturwandel im deutschen Gesundheitswesen bewältigt werden kann.

Punkt 1: Immer mehr Erkrankungen werden heute fast ausschließlich ambulant behandelt. Davon profitieren die Patienten, die laut Umfragen lieber ambulant als stationär behandelt werden möchten. Angesichts dieser Entwicklung und gleichzeitig bestehender Überkapazitäten im Krankenhausbereich müssten, so fordert die KBV, die ambulanten und stationären Versorgungsstrukturen bedarfsgerecht angepasst werden. Rund 595 Millionen Behandlungsfälle zählt der ambulante Bereich pro Jahr. Die Zahl der Arzt-Patienten-Kontakte belaufen sich auf fast das Doppelte. Etwa 20 Millionen Fälle werden im Krankenhaus behandelt, wobei fast jeder Fünfte vermeidbar wäre. Diese 3,7 Millionen vermeidbaren Krankenhausfälle verursachen Kosten von rund 7,2 Milliarden Euro jährlich. Laut KBV ist die Grenze der Leistungsfähigkeit der Krankenkassen erreicht.

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