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Ärztechef hält Einheits-Honorare für nutzlos APOTHEKE ADHOC, 12.02.2018 14:47 Uhr

Berlin - Wenn Ärzte für Privat- und Kassenpatienten das gleiche Honorar bekommen sollen, wird das den Patienten trotzdem nichts nützen. Das behauptet Andreas Gassen, Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), im Spiegel-Interview. An dem Koalitionsplänen zum Abbau der Zweiklassenmedizin lässt er kein gutes Haar, im Gegenteil, er warnt davor, die Honorare für die Behandlung von gesetzlich und privat Versicherten anzugleichen. 

Ob durch die Honorarangleichung tatsächlich kein Patient besser versorgt würde als bisher, ist eine Behauptung, deren Beweis Gassen in dem Interview schuldig bleibt. Was er allerding belegen kann, wären die aus solchen Honorarangleichungen entstehenden Verschiebungen der Ärzteeinkommen zwischen Ost- und Westdeutschland: „Im Osten leben vergleichsweise wenige Privatversicherte. Dort würden die niedergelassenen Ärzte bei einer Angleichung der Honorare überproportional profitieren. In vielen Gegenden im Westen dagegen würden Ärzte unter teils massiven Einbußen leiden.“

Trotzdem ist Gassen kein Verfechter der PKV. Er macht in dem Interview deutlich, dass er die gesetzliche Versicherung langfristig sogar für das bessere System hält.

Gassen sieht aber genau wie viele Kritiker des Zweiklassensystems ein Gerechtigkeitsproblem zwischen GKV- und PKV-Versicherten. Er macht es an der Budgetdeckelung für die Kassenpatienten fest und fordert ihr Ende. „Wenn die Politik von uns verlangt, dass wir Patienten schneller Termine anbieten sollen als bisher und dass Versicherte mehr Leistungen in Anspruch nehmen, dann muss sie dafür auch Geld auf den Tisch legen”, so Gassen. Die Entbudgetierung würde nach seinen Berechnungen zu Mehrkosten von 2 Milliarden Euro bei den GKVen führen.

Dass die jetzige Deckelung die Ärzte zu kostenlosen Behandlungen zwingt, kann Gassen aus der eigenen Praxis berichten. Danach behandeln sie pro Quartal knapp 4000 GKV-Patienten, es wurden aber nur 3500 Abrechnungsscheine vergütet. Als erste, schnelle Maßnahme fordert der Ärztechef, dass der Erstkontakt des Patienten mit dem Arzt wieder bezahlt wird, was nicht mal 500 Millionen Euro jährlich kosten würde.

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