2019: Politik schüttelt ABDA durch

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Der Konter des Bundesgesundheitsministers ließ nicht auf sich warten: „Wenn sie mir die Botschaft mitgeben, der Bundesrat kann das besser, dann stelle ich die Dinge in Berlin ein. Das meine ich ernst“, donnerte Spahn von der ABDA-Bühne in den Saal. Er wolle zudem mit einer Mär aufräumen, „die ich ständig lese“, zürnte er weiter: Er selbst würde erst mit seinen Apothekenstärkungsgesetz „die Preise freimachen“. „Wo waren sie die letzten drei Jahre?“, fragte Spahn. Das EuGH-Urteil von 2016 habe die Preisbindung aufgelöst, dann können „einige heute nicht so tun, als wäre ich es“.

Seitdem liegt das Apothekenstärkungsgesetz auf Eis. Spahn wartet auf die Stellungnahme der EU-Kommission und die soll frühestens im Januar erfolgen. Aber nicht nur mit der RxVV-Verirrung hat die ABDA den Apothekern wohlgesonnene Politiker verärgert. Vorgezogen aus dem VOASG hat die Koalition unter anderem die Modellprojekte zu Grippeschutzimpfungen in Apotheken. Dagegen leisten Kammern nicht nur passiven Widerstand: Die Landesapothekerkammer Brandenburg will sich nicht an Modellprojekten für Grippeschutzimpfungen in Apotheken beteiligen. Die Delegiertenversammlung verabschiedete eine Resolution, die sie wortgleich von der Landesärztekammer übernommen hatte. Darin heißt es unter anderem, dass Apothekern die notwendigen Kompetenzen fehlen, um Impfungen durchzuführen.

Es sei zum Verzweifeln mit den Apothekern, rauft man sich in der Regierungskoalition die Haare. Beim Eppendorfer Dialog gab CDU-Arzneimittelexperte Michael Hennrich seine sonst gepflegte diplomatische Zurückhaltung auf: „Der Regel-Apotheker lebt in der alten Welt“, kritisierte er. „Die sitzen in ihren Schützengräben und verteidigen ihre Positionen“, teilte Hennrich in Richtung ABDA aus und schob gleich noch eine Warnung hinterher: Es sei nicht klug, bei den neuen pharmazeutischen Dienstleistungen das Medikationsmanagement ins Zentrum zu stellen: „Da bin ich sehr skeptisch.“ Der Einsatz künstlicher Intelligenz könne hier die Apotheker ganz rasch überflüssig machen. Stattdessen riet Hennrich, das Impfen in Apotheken anzunehmen: „Das können Plattformen nicht.“

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