2019: Politik schüttelt ABDA durch

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Berlin - Wie wohl kein anderes Jahr zuvor hat 2019 die Apothekerschaft politisch durchgeschüttelt. Drei Jahre nach dem EuGH-Urteil musste die ABDA nicht nur die Forderung nach einem Rx-Versandverbot begraben, sie steht immer noch mit fast leeren Händen da. Ob und wie das Apothekenstärkungsgesetz jemals verabschiedet wird, steht in den Sternen. Die ABDA hat sich 2019 gehörig „vertaktiert“, sich ins politische Abseits manövriert. Und ABDA-Präsident Friedemann Schmidt zieht sich aus der Rolle des Politik-Moderators in seine Leipziger Apotheke zurück. Außerdem mischt die verordnete Einführung des E-Rezepts den Apothekenmarkt auf. Neue Allianzen rangeln um die Pole-Position. Die Unsicherheit ist groß.

Der politische Startschuss für 2019 knallte schon vor Silvester in der ABDA-Mitgliederversammlung am 11. Dezember 2018. Vor die Kammerpräsidenten und Verbandchef spazierten Arm in Arm ABDA-Präsident Schmidt und Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) mit einem seit Monaten verhandelten millionenschweren Plan B: Mit 375 Millionen Euro wollte Spahn den Apotheker die Abkehr vom Rx-Versandverbot schmackhaft machen. Der Deutsche Apothekerverband (DAV) sollte einen Strukturfonds für neue pharmazeutische Dienstleistungen von 240 Millionen Euro erhalten. Dafür und für die zusätzlichen 120 Millionen Euro für den Nacht- und Notdienstfonds (NNF) sollte das Fixhonorar zweckgebunden um 48 Cent je Rx-Packung steigen.

Im Gegenzug sollte die Boni-Gewährung für ausländische Apotheken auf 2,50 Euro je abgegebener Packung gedeckelt werden. Und um zu verhindern, dass es wegen der Boni zu Verschiebungen der Marktanteile kommt, sollte die Entwicklung evaluiert werden: Sofern der Marktanteil des ausländischen Versandhandels 5 Prozent übersteigen sollte, sollte der Boni-Deckel überprüft und reduziert werden. Hätte, hätte, Fahrradkette…

Der Paukenschlag traf die meisten ABDA-Mitglieder unvorbereitet. Anders als erwartet verweigerte die Mehrheit von Kammern und Verbänden ABDA-Präsident Schmidt die Gefolgschaft. Und über die Weihnachtstage 2018 gärte der Unmut der Apotheker über Spahns 375 Millionen Euro-Angebot und das Taktieren von Schmidt: „Vor einigen Monaten kündigten Sie an, Sie würden aus allen Rohren schießen. Obwohl nach den Vorschlägen von Herrn Spahn das Kind schon fast in den Brunnen gefallen ist, kommt von Ihrer Seite nichts“, empörte sich Apotheker Hubertus Nehring in einem Brief an Schmidt stellvertretend für viele Kollegen: „Wo ist der von der ABDA organisierte und koordinierte Aufstand der Apotheken? Wo schießen Sie aus allen Rohren?“ Aus allen Rohren zerschossen wenig später Kammern und Verbände den Plan B. Das Scherbengericht folgte am 17. Januar 2019 in einer Sonder-Mitgliederversammlung.

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