MS-Medikamente

Cladribin: Merck-Tablette endlich zugelassen APOTHEKE ADHOC, 25.08.2017 11:42 Uhr

Berlin - Vor etwa sieben Jahren war Merck bei der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) mit seinem Zulassungsantrag für Cladribin gescheitert, die Sicherheitsbedenken waren zu groß. Nun gab es im zweiten Anlauf doch noch grünes Licht. Der Wirkstoff gilt als wichtiger Hoffnungsträger für den Darmstädter Pharmakonzern.

Cladribin kann künftig in der EU sowie in Island, Liechtenstein und Norwegen vermarktet werden. Das Präparat mit dem Handelsnamen Mavenclad ist zur Behandlung von Erwachsenen mit rezidivierenden Formen der Multiple Sklerose (MS) zugelassen. Das Arzneimittel steht als MS-Patienten als orale Darreichungsform zur Verfügung und könnte die Therapie erleichtern.

Cladribin soll die Häufigkeit der Schübe mindern und so die Krankheitsprogression verzögern. Das Arzneimittel lindert vermutlich durch Reduktion der Anzahl von T- und B-Lymphozyten Entzündungen im zentralen Nervensystem. Auch auf das Zytokinprofil könne Cladribin Einfluss nehmen und so antientzündlich wirken. Die Wirkung konnte in drei Phase-III-Studien mit 1326 Patienten mit schubförmiger remittierender MS (RRMS), die Verum oder Placebo erhielten, bestätigt werden.

Der Wirkstoff zählt zur Stoffgruppe der Zytostatika und wird als Infusionslösung bereits zur Behandlung der Haarzellen-Leukämie eingesetzt. Das Prodrug wird in den Körperzellen zum aktiven Triphosphat phosphoryliert. Der aktive Metabolit baut sich als falscher Bestandteil in die DNA ein und hemmt die Polymerasen. Die Zellteilung wird unterbrochen und es kommt schließlich zur Apoptose. Der Antimetabolit verursacht somit Strangabbrüche und verbraucht Lymphozyten. Während der Behandlung sind Nebenwirkungen wie Lymphopenie, Infektionen, Hautausschläge und Herpes zoster möglich.
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