Rote-Hand-Brief

Cladribin: Risiko für Leukenzephalopathie Nadine Tröbitscher, 06.12.2017 09:50 Uhr

Berlin - Aktualisierung der Produktinformationen: Für Cladribin-haltige Arzneimittel, die für onkologische Indikationen zugelassen sind, müssen die Fach- und Gebrauchsinformationen erweitert werden. Ursache ist das Auftreten einer progressiven multifokalen Leukenzephalopathie (PML), zum Teil mit tödlichem Ausgang.

Leustatin (Janssen) und Litak (Lipomed) enthalten Cladribin und sind zur Behandlung der Haarzell-Leukämie zugelassen. Das Purin-Nukleosid-Analogon wird parenteral verabreicht. Das Prodrug wird in den Körperzellen zum aktiven Triphosphat phosphoryliert. Der aktive Metabolit baut sich als falscher Bestandteil in die DNA ein und hemmt die Polymerasen. Die Zellteilung wird unterbrochen und es kommt schließlich zur Apoptose. Der Antimetabolit verursacht somit Strangabbrüche und verbraucht Lymphozyten. Während der Behandlung sind Nebenwirkungen wie Lymphopenie, Infektionen, Hautausschläge und Herpes zoster möglich.

In einem Rote-Hand-Brief wird aktuell über das Auftreten von einer progressiven PML berichtet, teilweise auch mit tödlichem Ausgang, die im Zusammenhang mit der Anwendung von Cladribin steht. Die PML ist eine seltene Erkrankung des Gehirns, die von einem fortschreitenden Abbau der Myelinscheiden gekennzeichnet ist und auf die Reaktivierung des JC-Virus zurückzuführen ist. Das Auftreten der PML wurde sechs Monate bis mehrere Jahre nach der Therapie mit dem antineoplastischen Mittel beobachtet. In mehreren Fällen konnte ein Zusammenhang zwischen dem Auftreten der PML und einer anhaltenden Lymphopenie dokumentiert werden. Besteht der Verdacht einer PML, muss die Therapie beendet werden.

Treten erstmals neurologische oder kognitive Symptome oder Verhaltensauffälligkeiten unter Cladribin auf oder verschlechtern sich diese, ist eine PML als Differentialdiagnose in Betracht zu ziehen.

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