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Neue Studien zu Vitamin D

Vitamin D: Wirksam bei Darmkrebs?

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Berlin -

Vitamin D werden zahlreiche positive Eigenschaften zugesprochen, auch ein Schutz vor bestimmten Krebserkrankungen wurde in der Vergangenheit diskutiert. Dass Vitamin D eine Wunderwaffe in der Prävention von Tumoren ist, widerlegten Wissenschaftler im vergangenen Jahr. Zwei vor Kurzem im „Journal of the American Medical Association“ (JAMA) veröffentlichte Phase-II-Studien untersuchten die Wirksamkeit von hochdosiertem Vitamin D in Bezug auf die Therapie von Darmkrebs.

In der ersten Studie wollte ein US-Forscherteam wissen, ob eine hochdosierte Vitamin D-Supplementation in Kombination mit Chemotherapie das progressionsfreie Überleben von Patienten mit fortgeschrittenem oder metastasiertem Darmkrebs verlängern kann. An der doppelblinden, randomisierten klinischen Phase-II-Studie nahmen 139 Probanden teil, die zur Chemotherapie (mFOLFOX6 plus Bevacizumab) im Abstand von zwei Wochen zusätzlich täglich hochdosiertes Vitamin D oder die Standarddosierung erhielten. Die Studie wurde im Zeitraum von März 2012 bis November 2016 an insgesamt elf Krebszentren durchgeführt.

Als primärer Endpunkt wurde das progressionsfreie Überleben (PFS) festgelegt. Die Studienteilnehmer, die zusätzlich mit hochdosiertem Vitamin D behandelt wurden, hatten ein mittleres PFS von 13 Monaten, in der Vergleichsgruppe betrug dieses elf Monate. Somit lässt sich laut Wissenschaftlern kein statistisch signifikanter Unterschied feststellen. Allerdings konnte in Bezug auf die multivariable Hazard Ratio von 0,64 für PFS oder Tod ein statistisch signifikanter Unterschied ermittelt werden. Daher sind weitere Bewertungen in groß angelegten multizentrischen randomisierten klinischen Studie nötig, schlussfolgert das Forscherteam.

Japanische Wissenschaftler lieferten die Ergebnisse der zweiten Studie mit 417 Probanden im Alter von 30 bis 90 Jahren mit Tumoren im Verdauungstrakt von der Speiseröhre bis zum Rektum. Das Team wollte wissen, wie sich eine postoperative Vitamin D-Supplementierung auf das rückfallfreie Überleben der Teilnehmer auswirkt. Die Aufnahme der Probanden erfolgte im Januar 2010, das Follow-up war im Februar 2018 abgeschlossen. Die Teilnehmer wurden randomisiert und erhielten entweder Vitamin D zu 2000 I.E. täglich oder Placebo. Primärer Endpunkt war die Zeit des reszidivfreien Überlebens.

Im Ergebnis zeigte eine Gabe von Vitamin D keinen signifikanten Vorteil, denn das progressionsfreie Überleben über einen Zeitraum von fünf Jahren betrug unter dem Nahrungsergänzungsmittel 77 Prozent im Vergleich zu 69 Prozent unter Placebo. „Das bedeutet, dass eine Vitamin D-Supplementation das rückfallfreie Überleben bei Patienten mit Tumoren im Verdauungstrakt nicht verbessert hat“, schlussfolgern die Studienautoren.

Im März vergangenen Jahres wurde die Ergebnisse einer Mendelschen Randomisierung wurden im „British Medical Journal“ (BMJ) zur Krebsprävention veröffentlicht. Epidemiologen werteten Daten von insgesamt 70.563 Krebspatienten aus, die an sieben unterschiedlichen Tumoren erkrankt waren. Der Großteil mit 22.898 Patienten litt an Prostatakrebs, 15.748 Patienten hatten Brustkrebs, 12.537 ein Lungenkarzinom, 11.488 ein kolorektales Karzinom, 4369 Eierstockkrebs, 1896 Bauchspeicheldrüsenkrebs und 1627 ein Neuroblastom. Als primärer Endpunkt wurde das Risiko, an einer der sieben Krebsarten zu erkranken, festgelegt.

Zusammenfassend kommen die Wissenschaftler zu dem Schluss: Es gibt nur wenige Hinweise für einen linearen kausalen Zusammenhang zwischen genetisch determinierten Vitamin-D-Spiegeln im Blut und dem Risiko für Prostata-, Brust-, Lungen-, Ovarial- und Pankreaskrebs sowie kolorektalem Karzinom und Neuroblastom. Auch wenn der Zusammenhang zwischen einem hohen Vitamin-D-Spiegel und einem geringeren Risiko, an Krebs zu erkranken, nicht signifikant sei, könne ein klinisch relevanter Effekt von geringer Größenordnung nicht ausgeschlossen werden.

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