Früherkennung und Behandlung

Krebsvorsorge: Jeder Zweite ohne Prävention

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Berlin -

Die aktuelle Woche steht ganz im Zeichen der Vorsorge: Die Nationale Krebspräventionswoche soll auf das große Potenzial der Krebsvorbeugung aufmerksam machen. Denn noch immer gehen zu wenige Menschen zu entsprechenden Untersuchungen – obwohl die Notwendigkeit bekannt ist.

Um die Heilungschancen und die Überlebensrate zu steigern, ist eine rechtzeitige Diagnose und Behandlung von Krebserkrankungen unerlässlich. Spezielle Vorsorgeuntersuchungen sollen dazu beitragen. „Eine große Mehrheit der Bevölkerung erkennt die Notwendigkeit der Krebsvorsorge – an der Umsetzung scheitern jedoch viele“, erklärt das Biotechnologie-Unternehmen Amgen, welches kürzlich eine repräsentative Bevölkerungsumfrage in Auftrag gegeben hat.

Gefahr bekannt, Umsetzung mangelhaft

Obwohl die Gefahr durch Krebserkankungen bekannt ist, fällt es der Umfrage zufolge jedem Zweiten schwer, medizinische Präventionsmaßnahmen und Vorsorgeuntersuchungen im Alltag umzusetzen. 93 Prozent sind überzeugt davon, dass bei einer frühen Diagnose die Heilungschancen für Krebs sehr gut sind. Zwei Drittel geben bei der Umfrage an, dass eine Kombination aus gesundem Lebensstil und regelmäßigen Kontrolluntersuchungen auch für Patienten, die bereits an Krebs erkrankt sind, „ein geeignetes Mittel, um dem Fortschreiten der Krebserkrankung beziehungsweise einer Wiederkehr entgegenzuwirken“ sei.

Aktuelle Studien untermauern die Bedeutung der Krebsvorsorge: Forscher des Deutschen Krebsforschungszentrums fanden heraus, dass sich das Krebs-Risiko durch einen gesünderen Lebensstil und eine Koloskopie deutlich verringern lässt. Auch andere Studien zur Krebssterblichkeit in Europa zeigen ähnliche Ergebnisse und verdeutlichen die Notwendigkeit der Untersuchungen.

Besonders bei der Darmkrebsvorsorge wird der Zwiespalt deutlich: Zwar weiß der Großteil der Bevölkerung um die Prävention – immerhin jeder zweite hält die Darmspiegelung für sehr geeignet – dennoch hat sich erst jeder fünfte einer solchen Spiegelung unterzogen. Beim immunologischen Stuhltest sieht es ähnlich aus: 36 Prozent sind vom Nutzen überzeugt, nur 15 Prozent haben ihn jedoch durchgeführt.

Ungenutze Präventionsmaßnahmen

Ab einem bestimmten Alter werden die Kosten für entsprechende Darmkrebs-Vorsorge-Untersuchungen von den Krankenkassen übernommen: Ab einem Alter von 50 Jahren kann jährlich ein immunologischer Test auf Blut im Stuhl durchgeführt werden. Eine Darmspiegelung kann bei Männern ab dem 50. und bei Frauen ab dem 55. Lebensjahr im Rahmen der Darmkrebsprävention durchgeführt werden. Werden Darmpolypen gefunden, sollten diese entfernt werden, da sie sich zu Krebs entwickeln könnten. Bei unauffälligem Befund kann eine Wiederholungskoloskopie nach zehn Jahren erfolgen. Für Personen mit erhöhtem Erkrankungsrisiko gelten andere Empfehlungen.

Doch auch hier nimmt nur ein kleiner Teil die Leistung in Anspruch: Bei den 50- bis 59-Jährigen nehmen 19 Prozent, bei den über 60-Jährigen 30 Prozent die Möglichkeit einer Koloskopie wahr. Beim Stuhltest wächst der Anteil nur geringfügig von 16 auf 20 Prozent bei den über 60-Jährigen.

Etwa zwei Drittel aller Darmkrebs-Erkrankungen werden im Dickdarm entdeckt: Pro Jahr erkranken in Deutschland nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) etwa 2600 Personen an Dünndarmkrebs und 58.000 Personen an Dickdarmkrebs. Die Diagnose Darmkrebs wird damit im Laufe des Lebens bei einem von 17 Männern und einer von 20 Frauen gestellt. Dabei erkranken mehr als die Hälfte der Patienten jenseits des 70. Lebensjahres. Sowohl die Neuerkrankungs- als auch die Sterberaten sind seit 1999 angestiegen.

 

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