Verlust der Erstattungsfähigkeit

Thymiverlan ist nur noch traditionelles Arzneimittel

, Uhr
Berlin -

Abverkaufsfrist beendet. Thymiverlan Lösung (Verla-Pharm) als erstattungsfähiges OTC-Präparat ist ab heute nicht mehr verkehrsfähig. Restbestände dürfen nicht mehr abverkauft werden. Die Zulassung ist abgelaufen. Das Hustenmittel ist jedoch weiterhin unter neuer PZN und anderem Namenszusatz als traditionelles Arzneimittel auf dem Markt.

Thymiverlan wurde 1994 erstmals zugelassen. Der Thymiankraut-Fluidextrakt war bislang für Kinder bis zum 12. Lebensjahr erstattungsfähig. Der Hersteller hatte versucht, die Zulassung zu verlängern, doch der Antrag wurde abgewiesen. Folglich wurde das Präparat als traditionelles Arzneimittel eingestuft, denn bei der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) liegt eine entsprechende Monographie vor, die dies möglich macht. Daraus geht hervor, dass der Wirkstoff seit mehr als 30 Jahren auf dem Markt ist, davon 15 Jahre innerhalb der EU.

Der Zulassungsstatus änderte sich bereits im September und somit die Indikation. Während der erstattungsfähige Vorgänger „bei Erkältungskrankheiten der Atemwege mit zähflüssigem Schleim zur Besserung der Beschwerden bei akuter Bronchitis“ angezeigt war, wird der als traditionell eingestufte Nachfolger „gemäß der langjährigen Erfahrung zur Schleimlösung bei Erkältungskrankheiten der Atemwege mit produktivem Husten“ eingesetzt.

An der Zusammensetzung des Hustenmittels ändert sich jedoch nichts. Neu sind Name und PZN. Der Hustensaft ist ab sofort als Thymiverlan Flüssigkeit zum Einnehmen zu 50 und 100 ml gelistet. Der Hersteller mit Sitz in Tutzing hat die neue Packung mit einem lila Tropfen gekennzeichnet. Das übrige Design bleibt gleich.

Traditionell angewendete Arzneimittel werden laut Bundesgesundheitsministerium (BMG) wegen Unwirtschaftlichkeit nur in begründeten Ausnahmefällen erstattet. Der Saft kann aber weiterhin ab einem Alter von drei Jahren angewendet werden.

Verla hat im Segment Phytopharma und Naturstoffe fünf weitere Produkte, darunter Arthri-Verlan, Gastrovegetalin und Glutamin Verla im Sortiment. Das größte Produkt des Familienbetriebs ist der Klassiker Magnesium Verla, der 1957 erstmals angeboten wurde. Jährlich verlassen rund 500 Millionen Dragees und 120 Millionen Granulatbeutel die Produktion. Insgesamt gehören rund 70 Produkte zum Sortiment; die Zweitlinie Xenofit richtet sich seit 1988 an Sportler.

Der Hersteller erwirtschaftet laut Insight Health einen Jahresumsatz von rund 78 Millionen Euro (Apothekenverkaufspreise, AVP). Firmenchefin ist Gabriele von Ehrlich. Das auf Nahrungsergänzungsmittel spezialisierte Unternehmen wurde von 1949 von ihrem Vater H.J. von Ehrlich gegründet. Der damals 30-Jährige hatte die Löwenapotheke in Reichenberg in fünfter Generation geführt, bevor er als Sudentendeutscher vertrieben wurde.

Newsletter
Das Wichtigste des Tages direkt in Ihr Postfach. Kostenlos!

Hinweis zum Newsletter & Datenschutz

Mehr zum Thema
Gericht verbietet „Entwarnungshinweis“
Von wegen „alkoholfrei“ – Restalkohol in Aspecton »
Mehr aus Ressort
Schlafprobleme bei Kindern möglich
Paracetamol: Gefahr in der Schwangerschaft? »
Diabetiker:innen bekommen Schwierigkeiten
Lieferengpass bei Insuman: Pen statt Patrone »
Fettleibigkeit verschlechtert die Prognose
Adipozyten fördern Brustkrebswachstum »

APOTHEKE ADHOC Debatte

Weiteres
Keine Sicherheitsbedenken
Impfstoff-mRNA in Muttermilch»
Sars-CoV2-Arbeitsschutzverordnung verlängert
Hygienekonzept: Was gilt in Apotheken?»
Gericht verbietet „Entwarnungshinweis“
Von wegen „alkoholfrei“ – Restalkohol in Aspecton»
Lüdering geht früher von Bord
Apobank: Noch ein Vorstand weg»
Schlafprobleme bei Kindern möglich
Paracetamol: Gefahr in der Schwangerschaft?»
Diabetiker:innen bekommen Schwierigkeiten
Lieferengpass bei Insuman: Pen statt Patrone»
Fettleibigkeit verschlechtert die Prognose
Adipozyten fördern Brustkrebswachstum»
ApoRetrO – der satirische Wochenrückblick
Kassen schicken Geldtransporter zu Apotheke»
Preisanpassung bei Apothekenserver
NGDA: Securpharm wird teurer»
Funktion der Immunzellen gestört
Zecken: Speichel hemmt Abwehr»
Limit für geringfügige Beschäftigung erhöht
Minijob: 70 Euro mehr verdienen»
A-Ausgabe Oktober
90 Seconds of my life»
Kompetenter Begleiter für alle Leser:innen ab 60
my life Senioren»
Das Kindermagazin der my life Familie
Platsch»
Debatte geht in die nächste Runde
EMA befürwortet Biosimilar-Austausch»
Jede Verordnungszeile einzeln
Mehrfachverordnungen: Wie wird beliefert?»
Was wird von der Kasse erstattet
Retaxgefahr: Sprechstundenbedarf auf Rezept»