Mehr als 280.000 Menschen in Deutschland leben derzeit mit der Diagnose Multiple Sklerose. Die entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems kann nicht geheilt werden. Doch es gibt Hoffnung, denn es wurde ein neuer Wirkstoffkandidat identifiziert, der das Nachwachsen der Myelinschicht – der Schutzschicht der Nervenzellen – auslösen könnte.
Multiple Sklerose (MS) ist eine chronisch entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems, die das gesamte Gehirn und Rückenmark betreffen kann. Zu den Symptomen gehören oft Gefühlsstörungen, Lähmungen, Seh- und Gleichgewichtsstörungen und Müdigkeit. Im weiteren Krankheitsverlauf können auch Depression, Blasen- und Mastdarmstörungen, Schmerz, Spastik und kognitive Einschränkungen hinzukommen.
Da MS unterschiedlichste Symptome hervorrufen kann, wird sie auch als „Krankheit der 1000 Gesichter“ bezeichnet.
Aktuell gibt es noch keine ursächliche Therapie, sprich MS ist nicht heilbar. Den Verlauf mildern kann jedoch:
Eine Studie von Tapani Koppinen von der Universität von Helsinki in Finnland, macht derzeit Hoffnung auf eine weitere Therapieoption. Denn der Forscher hat mit seinem Team eine Art neuen Wirkstoffkandidaten identifiziert, der das Nachwachsen der Myelinschicht anstoßen soll. Jene Schutzschicht, die die Nervenzellen umgibt und für die Weiterleitung von Signalen unverzichtbar ist.
Da bei MS diese Schicht irreversibel zerstört wird, verschlimmern sich die Schäden bei jedem Schub. Zwar verlangsamen entsprechende Wirkstoffe die fehlgeleitete Immunreaktion, doch bereits entstandene Nervenschäden können sie nicht beheben. Deswegen liegt der Fokus der Forschung aktuell auf der Remyelisierung, denn ein kritisches Hindernis für die Heilung ist laut Koppinen das Versagen der körpereigenen Reparaturmechanismen.
Koppinen hat zwei Wege gefunden, wie die Blockade der Reperaturzellen umgangen werden kann. Der neue Wirkstoffkandidat greife laut dem Forschenden zunächst in einen Stressmechanismus innerhalb der Gehirnzellen ein. Der zweite Ansatz ziele auf das Narbengewebe, das sich rund um die geschädigten Areale bildet. Konkret unterstütze das Low-Molecular Weight Protamine (LMWP) die Remyelinisierung sowie die Neuroprotektion.
LMWP adressiert demnach ein fundamentales Problem der MS-Pathologie: die feindliche Mikroumgebung der Läsion, sprich der geschädigten Nervenbahn. Aufgrund seines günstigen pharmakokinetischen Profils könnte LMWP insbesondere in Kombination mit anderen Wirkstoffen, einen Durchbruch in der regenerativen Therapie der Multiplen Sklerose darstellen, so Koppinen. Insgesamt sprechen die Ergebnisse von „einer vielversprechenden Strategie für die Behandlung von demyelinisierenden Krankheiten, wie MS“, erklärt er.
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