Thiazide erhöhen Hautkrebsrisiko

, Uhr

Berlin - In den Gebrauchsinformationen von Thiaziden finden Anwender:innen bereits seit Längerem einen Hinweis darauf, dass die Einnahme dieser Stoffe ein erhöhtes Risiko für Hautmalignome birgt, wie erhöht dieses Risiko ist war bis jetzt jedoch nicht bekannt.

Menschen, die Thiazide einnehmen, sollen übermäßige UV-Strahlung vermeiden. Darauf weist die Gebrauchsinformation hin. „In zwei epidemiologischen Studien auf der Grundlage des dänischen nationalen Krebsregisters wurde ein erhöhtes Risiko von nicht-melanozytärem Hautkrebs (NMSC) (Basalzellkarzinom [BCC] und Plattenepithelkarzinom [SCC]) mit steigender kumulativer Dosis von Hydrochlorothiazid (HCTZ) beobachtet“, heißt es in einigen Fachinformationen von Hydrochlorothiazid.

Patient:innen sollten über dieses Risiko und über risikominimierende Maßnahmen informiert werden. So wird in den Fachinformationen folgender Hinweis gegeben: „Photosensibilisierende Wirkungen von HCTZ könnten zur Entstehung von NMSC beitragen. Patienten, die HCTZ einnehmen, sollten über das NMSC-Risiko informiert werden, und es sollte ihnen geraten werden, ihre Haut regelmäßig auf neue Läsionen zu prüfen und unverzüglich alle verdächtigen Hautveränderungen zu melden. Den Patienten sollten mögliche vorbeugende Maßnahmen empfohlen werden, um das Risiko von Hautkrebs zu minimieren; z. B. Einschränkung der Exposition gegenüber Sonnenlicht und UV-Strahlung oder im Fall einer Exposition Verwendung eines angemessenen Sonnenschutzes.“

Wie hoch ist das erhöhte Risiko?

Bisher gab es keine Studien darüber, wie sehr sich das Risiko für bösartige Hautveränderungen unter der Einnahme von Thiaziden tatsächlich erhöht. Kanadische Wissenschaftler:innen haben hierfür eine populationsbasierte Inception-Kohortenstudie mit administrativen Gesundheitsdaten der Provinz Ontario aus den Jahren 1998 bis 2017 aufgelegt. Jeweils eine Person, die über 66 Jahre alt war und ein Antihypertensivum einnahm, wurde mit zwei Personen verglichen, die keine dieser Blutdruckmittel einnahmen. Zu den Antihypertensiva die eingeschlossen wurden gehörten Thiazide, ACE-Hemmer, β-Blocker Angiotensin-II-Rezeptorblocker und Kalziumkanalblocker.

302.634 Patient:innen nahmen ein Arzneimittel aus den genannten Wirkstoffgruppen ein. Sie wurden mit 605.268 Personen in der Kontrollgruppe verglichen. 29 Prozent der 302.643 Personen erhielten Thiazide. Die Untersuchung zeigte, dass eine zunehmende Thiazid-Exposition mit einer erhöhten Rate an Plattenepithelkarzinomen und anderen Hautveränderungen einherging. Es zeigte sich zudem, dass eine höhere kumulative Exposition, also die Einnahme der Medikamente über einen längeren Zeitraum, mit einem erhöhten Hautkrebs-Risiko verbunden ist.

APOTHEKE ADHOC Debatte

Neuere Artikel zum Thema
Mehr aus Ressort
Influenza in der Schwangerschaft
Kinder sind anfälliger für Infekte »
Weiteres
US-Staatsanwälte schreiben an Zuckerberg
Facebooks Umgang mit Impfgegnern»
Nur noch eine Rezeptur pro Verordnung
Platzmangel durch Hash-Code und Z-Daten»
Dosierungsangabe
Achtung Retax: >>2x»